Mittwoch, 01. Februar 2023

Gudrun Kreye, Palliativmedizinerin

Stärkung von Palliative Care in Klinik und Wissenschaft

Oberärztin und Privatdozentin Dr.in Gudrun Kreye ist Leiterin der Palliativeinheit an der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 2 des Universitätsklinikums Krems. Zudem ist sie Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Forschung in Palliative Care“ der Österreichischen Palliativgesellschaft und war von 2018 bis 2022 stellvertretende Leiterin der „Designates Centres Working Group“ der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie. 

„Die Verbesserung der Palliative Care für Patient:innen ist mir ein großes Anliegen. Wie mit belastenden Symptomen umgegangen wird und wie wir die Lebensqualität Betroffener – nämlich Erkrankter und Angehöriger – positiv beeinflussen können, steht im Zentrum meiner Arbeit. Es braucht die Entwicklung und Implementierung von Standards in der Palliative Care für flächendeckende Verbesserungen“, erklärt Privatdozentin Gudrun Kreye. Eine aktuelle Forschungsarbeit untersucht auf den Klinischen Abteilungen für Innere Medizin in Krems die Häufigkeit von Patient:innen mit einer unheilbaren Erkrankung. Die Auswertung, wer von dieser Patient:innengruppe Palliative Care benötigt und wer davon wiederum Palliative Care verordnet bekommen hat, trägt zu einem besseren Screening und damit zu einer zielgerichteten Versorgung in der Zukunft bei. „Palliative Care beruht auf einem multiprofessionellen Konzept. Mediziner:innen, Pflege, Psycholog:innen, Psychotherapeut:innen, Sozialarbeiter:innen, Ernährungstherapeut:innen und Ehrenamtliche wirken zusammenwirken, um nicht nur körperliche Symptome zu lindern, sondern Patient:innen ein ganzheitliches Versorgungspaket anzubieten.“, erklärt Dr. Kreye: „Eine unserer Forschungsfragen zielt auf die Ermittlung des idealen Zeitpunkts für das Hinzuziehen von Palliativteams bzw. spezialisierten Palliativteams für Patientinnen und Patienten mit einer lebensverkürzenden Erkrankung ab. Neben individuellen Faktoren zum Krankheitsverlauf gilt es hier auch Aspekte der bestmöglichen Verteilung vorhandener Ressourcen mitzuberücksichtigen. Die Ressourcenknappheit und der steigende Bedarf an Palliative Care sind ebenfalls Themen der Palliativforschung“. Wenn Oberärztin Dr. Kreye von den unterschiedlichen Projekten erzählt, in denen regelmäßig Medizinstudierende mitarbeiten und ihre Abschlussarbeiten dazu verfassen, wird schnell deutlich, wie vielfältig das Themengebiet Palliativ Care ist: „Ich möchte unseren Studierenden einerseits vor Augen führen, welch spannende Forschungsfragen es auf dem Gebiet der Palliativmedizin gibt und ihnen andererseits die vielen Facetten von Palliativ Care aufzeigen. Es geht um sehr viel mehr als den Tod. Hier erlebt man viel Schlimmes und gleichzeitig sehr viel Schönes, das macht die Palliativ Care so reichhaltig und einen selbst dankbar.“ 

Atemnot bei Palliativpatient:innen ist ein Forschungsschwerpunkt von Dr. Gudrun Kreye. Forschung und Palliativmedizin erscheint vielen noch immer als eine eigenartige Kombination. Für Dr. Kreye hat sich dieser Lebensweg allerdings bereits in der Kindheit abgezeichnet. „Schon als Mädchen habe ich mich mit Pflanzen, Steinen und Tieren beschäftigt, sie beobachtet und kleine Protokolle angelegt. Es interessierte mich einfach“, erinnert sich die Oberärztin an ihren ausgeprägten, ureigenen Forscherdrang. Mit 16 durchlebte die Jugendliche eine richtungsweisende Erfahrung: „Meine Oma ist damals gestorben. Meine Mutter konnte es ihr als Diplomierte Krankenschwester und mit unserer Unterstützung ermöglichen, zuhause zu sterben. Das hat mich sehr berührt und mir wurde klar, dass ich genau das machen möchte: Menschen helfen, ihr Lebensende individuell und bestmöglich zu gestalten“. Lange spielte Gudrun Kreye mit dem Gedanken, Molekulargenetik zu studieren - ein Feld, das sie auch heute noch als ihr Steckenpferd bezeichnet. Die Entscheidung ist zugunsten der Medizin ausgefallen und 1998 erhielt sie ihren Doktortitel an der Medizinischen Universität Wien. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin verfasste sie ihre Diplomarbeit über Medikamentenresistenzen bei bösartigen Krankheiten. Sie forschte auf dem Gebiet der Medikamentenresistenzen und erhielt als Post-Doc ein Herta-Firnberg-Stipendium, in dessen Rahmen sie sich mit prognostischen Markern bei Mamma- und Ovarialkarzinomen beschäftigte. Anschließend wechselte die Ärztin ins Wiener Wilhelminenspital auf die Interne 1, wo sie ihre Facharztausbildung abschloss. Dazwischen absolvierte die Forscherin einen einjährigen Forschungsaufenthalt im Labor für „Molecular Genetics of Female Reproductive Cancer“ an der Johns Hopkins Universität in Baltimore, USA. Darauf folgte ihre Habilitation im Bereich Onkologie an der MUW und ein weiteres Forschungsstipendium in Cardiff in Wales im Bereich Palliative Care am Velindre Krebszentrum. Danach verschlug es die Forscherin nach Deutschland an die Universität Göttingen. PD Dr. Kreye arbeitete am Department für Palliativmedizin als PostDoc und Ärztin. 2010 wechselte sie an das Universitätsklinikum Krems als sie vom damaligen und heutigen Leiter der Klinischen Abteilung für Innere Medizin 2, Univ.-Prof. Dr. Martin Pecherstorfer, die Leitung der Palliativstation in Aussicht gestellt bekommen hat, welche sie 2014 übernahm. „Zuerst dachte ich, dass die Forschung für mich damit beendet sei. Als das Krankenhaus dann zur Universitätsklinik wurde und wiederholt Studierende wegen Masterarbeiten anfragten, eröffneten sich neue Möglichkeiten und Ideen.“, freut sich Gudrun Kreye über die Forschungsaktivitäten an der Abteilung.

„Wenn ich zwischen der Arbeit im Labor und der klinischen Forschung wählen müsste, würde ich die Laborarbeit bevorzugen. Sie hatte immer einen besonderen Reiz für mich und machte mir Spaß. Die wahre Sinnerfüllung finde ich allerdings in der Arbeit mit den Menschen und ich bin froh, hier Klinische Forschung betreiben zu können. Sie ermöglicht es mir, Patient:innen bestmöglich zu betreuen, meinen Forschungsfragen gemeinsam mit jungen motivierten Studierenden nachzugehen und damit Palliativ Care im klinischen Setting und in der Wissenschaft auszubauen, zu etablieren und zu stärken.“

Link zur Klinischen Abteilung für Innere Medizin 1, Universitätsklinikum Krems

Link zum Forschungsportal KRIS

Universitätsklinik für Innere Medizin - Klinische Abteilung für Innere Medizin 2 (Universitätsklinikum Krems)