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Walter Struhal, Neurologe: Forschen als ärztliche Verantwortung

Der klinische Neurologe Walter Struhal leitet seit 2017 als Primar die klinische Abteilung für Neurologie am Universitätsklinikum Tulln (NÖ) und seit 2019 die Universitätsklinik für Neurologie der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL, alternierend mit dem St. Pöltner Neurologen Stefan Oberndorfer). „Die enge Verbindung von Universität und Klinik ist ein entscheidender Vorteil für Ärzte, die neben der klinischen Tätigkeit auch forschen möchten“, erklärt er. Ihn zur Mitarbeit an der Planung des KL-Doktoratsprogramms „Mental Health and Neuroscience“ zu bewegen, bedurfte es daher nicht viel Überzeugungskraft. „Die auf Forschung ausgerichtete, gemeinsame Infrastruktur der KL und unseres Universitätsklinikums bietet die nötige Grundlage, Karrieren unseres medizinischen Forschungsnachwuchses zu fördern“, ist er überzeugt.

Struhals Spezialgebiet ist das autonome Nervensystem. Das steuert etwa unbewusste Körperfunktionen wie den Blutdruck. Gerät es aus dem Gleichgewicht, hat das immer auch Auswirkungen auf innere Organe und führt bei betroffenen Patienten im schlimmsten Fall zu hohem Leidensdruck. Das limbische System etwa, auch ein Teil des autonomen Nervensystems, steuert Emotionen. „Eine Funktionsstörung hier kann sich sowohl durch eine gestörte Kreislaufregulation als auch emotional äußern“, weiß der erfahrene Neurologe. „Emotionen sind wiederum auch durch Signale des autonomen Nervensystems messbar“.

Struhal nennt die Alzheimer-Demenz als eines seiner Forschungsgebiete. „Bei 40 Prozent der Alzheimerpatienten stellen wir auch eine Störung der Kreislaufregulation fest“, erklärt er. „Zu den Symptomen einer Alzheimererkrankung gehört neben dem Verlust der Erinnerung auch, dass betroffene Patienten viel öfter stürzen. Diese Stürze gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit auf eine gestörte Regulation des Blutkreislaufs zurück“, meint Struhal. Stabilisiere man den Kreislauf dieser Patienten, komme es auch insgesamt zu weniger Stürzen. „Wir forschen auch an modernen tragbaren Mess-Systemen, wie etwa einem Wearable EKG. Eventuell lässt sich dadurch der Aufwand für die Betreuung betroffener Patienten enger am Bedarf und damit auch effizienter gestalten.“

Struhal entdeckte sein Interesse für die Forschung bereits während seines Medizinstudiums an der Universität Wien. „Am liebsten hätte ich Medizininformatik studiert, doch diese Studienrichtung gab es damals noch nicht“, erzählt er. Bald war für ihn klar, dass er sich als Mediziner mit dem Gehirn beschäftigen möchte. Zunächst kam seiner Laufbahn als Arzt aber ein Leistungsstipendium in die Quere, das er mit Forschungsmitarbeit am Weltraumforschungsprojekt Austro-Mir in Moskau verbrachte. Sein damaliger Mentor in Innsbruck, Franz Gerstenbrand, bedeutender Weltraumneurologe und Begründer der österreichischen Komaforschung, unterstützte ihn dabei.

Nach dem Abschluss als Dr. med. wollte er eigentlich noch ein Informatikstudium anhängen. Nachdem er seine Dissertation beim Wiener Medizininformatiker Georg Dorffner abgeschlossen hatte, bog Struhal aber endgültig Richtung Klinik ab, wie er sagt. Seine Begeisterung für die Forschung nahm er mit. „Genauso wichtig wie die erfolgreiche Behandlung von Patienten ist es, die pathophysiologischen Grundlagen von Erkrankungen zu verstehen“, erklärt Struhal. „Um diese Grundlagen zu erforschen und dabei auch die Forschenden der Zukunft heranzubilden, wird die Verbindung von niederösterreichischen Universitätskliniken und KL mit dem KL-Doktoratsprogramm „Mental Health and Neuroscience“ wichtige und notwendige Grundlagen schaffen.“

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