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Stefan Stieger, Psychologe: Eine Forschungsreise zwischen Technik und Psychologie

stieger stefan

Univ.-Prof. Mag. Dr. Stefan Stieger, PD,

Leiter des Fachbereiches Psychologische Methodenlehre, am Department Psychologie und Psychodynamik an der KL

(c) KL/Klaus Ranger

Forschende im Porträt

Seit dem Jahr 2018 entwickelt Univ.-Prof. Mag. Dr. Stefan Stieger den Forschungsbereich der psychologischen Methodenlehre an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften. Besonders die technischen Grundlagen für Theorieentwicklungen faszinieren den Wissenschaftler bei seiner Arbeit mit seinem interdisziplinären Team.

Eine wissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen ist wie eine spannende Reise, die nie endet. Es gibt viele Weggabelungen und die Richtung ist oft nicht planbar, da sie von vielen Faktoren abhängt. So beschreibt Univ.-Prof. Mag. Dr. Stefan Stieger, Leiter des Fachbereichs Psychologische Methodenlehre, seinen Karriereweg, der für ihn auch zur Berufung geworden ist. Zu Beginn des Psychologie-Studiums an der Universität Wien war Stefan Stieger klinisch orientiert, gegen Ende des ersten Studienabschnittes allerdings brachte ihn ein Forschungspraktikum auf den Geschmack, wissenschaftlich zu arbeiten. „Ich war einer der ersten an der Universität Wien, der Datenerhebungen mit Online-Fragebögen durchgeführt hat. Das war zu diesem Zeitpunkt noch eine komplett neue Methode. Mein technischer Hintergrund aus einer höheren technischen Schule war dabei sehr hilfreich.“

Transformation vom Labor ins Feld
Das Zusammenspiel von Technologien und Psychologie hat lange Zeit eine untergeordnete Rolle gespielt, wird aber immer wichtiger, schildert der Forscher. „Ich denke wir sind eine der wenigen methodischen Abteilungen innerhalb der Psychologie, wo diese beiden Bereiche so stark verschränkt werden. Interessanterweise ist das in anderen Wissenschaftsbereichen anders – Bioinformatik oder Neuroinformatik sind bereits etablierte Bereiche. Die Psychoinformatik steht jedoch noch am Anfang, hat aber großes Potential, wenn wir etwa an die immer weiter fortschreitende Digitalisierung unserer Umwelt denken.“ Diese Entwicklung hat auch dazu geführt, dass sich das Department an der Karl Landsteiner Privatuniversität intensiv mit Feldforschung auseinandersetzt. „Um in den Alltag von Versuchspersonen einzutauchen, brauchen wir entsprechende Methoden. Das von uns entwickelte Framework ESMira ermöglicht es uns beispielsweise, eine Vielzahl an Forschungsfragen in der natürlichen Umwelt der Versuchspersonen zu untersuchen – wir transferieren quasi das Labor ins Feld.“

Methodenvielfalt und Softwarelösungen
Wissenschaftlich tätig zu sein erfordert in erster Linie das Handwerkzeug, welches im Studium vermittelt wird, wie beispielsweise Statistik und Methodenlehre. Ganz wichtig sei jedoch auch Wissensdurst, ein langer Atem und die persönliche Einstellung, erklärt Stieger: „Man muss sich eine wissenschaftliche Denkweise angewöhnen – das beeinflusst dann längerfristig auch die eigene Persönlichkeitsentwicklung, wo man nicht mehr zwischen Beruf und Privatleben unterscheiden kann oder auch will. Ich würde sogar sagen, dass wissenschaftlich tätig zu sein einer Lebenseinstellung entspricht.“ Im Fachbereich Psychologische Methodenlehre bringen Stefan Stieger und sein Team den entsprechenden ‚Mix‘ mit, um die Bereiche Psychologie und Technik gut zu verbinden. „Von Psychologie, Methodenlehre und Informatik bis hin zu Statistik und bildgebenden Verfahren ist alles dabei.“

Bei der Zusammenarbeit mit internationalen Wissenschaftler_innen laufen immer fünf bis zehn Projekte parallel in den unterschiedlichsten Stadien. „Das reicht von klassisch methodischen grundlagenorientierten Fragestellungen bis hin zu angewandten Themen wie zum Beispiel die psychische Gesundheit von Personen in Krisengebieten, wo wir momentan gemeinsam mit einer ukrainischen Universität eine Studie durchführen.“ Zusätzlich entwickelt Stefan Stieger mit seinen Kolleg_innnen auch Softwarelösungen, welche der Wissenschaft frei zur Verfügung gestellt werden. Das Tool ESMira wurde entwickelt, um Experience-Sampling-Method Studien, also eng-getaktete Messungen im Feld über einen bestimmten Zeitraum, in Feldsettings durchzuführen. „Dadurch können wir sehr tief in den Alltag unserer Versuchspersonen eintauchen, um unsere Messungen durchzuführen. Und es freut uns natürlich sehr, dass mittlerweile auch andere Universitäten unsere Open-Source Tools verwenden.“

Theorie- und Methodenentwicklungen gehen Hand-in-Hand
Theorien können nur dann geprüft werden, wenn es auch die entsprechenden Methoden gibt, um die Frage empirisch zu testen, erklärt der Experte: „Durch die Beantwortung der Forschungsfrage entwickelt sich die Theorie und regt wieder die Methodenentwicklung an. Das ist wie ein Kreisprozess.“ Die Digitalisierung bringt dafür viele neue Möglichkeiten, zeigt aber auch auf, dass künftig immer mehr Expert_innen gebraucht werden, die sich nicht nur mit psychologischer Methodenlehre beschäftigen, sondern auch Know-how im Bereich der Programmierung mitbringen.

Stefan Stieger ist selbst in der glücklichen Lage, Arbeit und Freizeit verbinden zu können. „Ich beschäftige mich privat auch mit technischen Fragestellungen. Da habe ich allerdings den Vorteil, dass ich Projekte im Normalfall innerhalb einiger Tagen umsetzen kann – das würde in der Wissenschaft nicht so schnell gehen.“ Als Ausgleich zu dem oft sehr intensiven Arbeitsalltag an der Universität geht der Wissenschaftler gerne mit seiner Familie wandern. „Das hilft mir abzuschalten und auf manche Dinge wieder einen klareren Blick zu bekommen, womit wir wieder bei einer psychologischen Fragestellung wären…“.

Text: Christina Badelt

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