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Stefan Oberndorfer, Neurologe: Forschergeist zum Quantensprung im Wissen

Im Alltag eines Klinikarztes spielt das Forschen oft eine Nebenrolle. Zeigt jemand Interesse für wissenschaftliche Tätigkeit wird dies oft als persönliches Hobby gesehen und soll in der Regel außerhalb der Dienstzeit absolviert werden. Das wird dem Selbstverständnis klinisch tätiger Ärzte und Ärztinnen in Anbetracht des rasanten Wissenszuwaches in den medizinischen Wissenschaften immer weniger gerecht, meint Stefan Oberndorfer.

Seit 2011 leitet er als Primar die Klinische Abteilung für Neurologie am Universitätsklinikum St. Pölten und als Associate Professor die Universitätsklinik für Neurologie der KL (abwechselnd mit dem Tullner Neurologen Walter Struhal). Schon während seines Medizinstudiums wollte Oberndorfer hinter den Vorhang der ärztlichen Heilkunst schauen: „Bei vielen Krankheitsbildern, die ich während des Studiums kennenlernte, waren mir die biologischen Vorgänge im Hintergrund einfach zu wenig klar, da wollte ich noch tiefer graben“, schildert er seine früh geweckte wissenschaftliche Neugier.

Obwohl für den Abschluss seines Medizinstudiums nicht zwingend nötig, schloss er an das Diplom als Dr. med. univ. noch eine wissenschaftliche Dissertation an. Dabei hatte es ihm der Fachbereich der Neurologie angetan, und dort das Thema Multiple Sklerose. Diese erste Forschungstätigkeit war für ihn sehr lehrreich, wie er sagt. „Ich konnte meine Expertise zum Thema MS vertiefen und die Grundlagen klinischer Forschungstätigkeit kennenlernen.“ Anschließend spezialisierte sich Oberndorfer im Gebiet Neuroonkologie weiter, das Gebiet, in dem er mit seiner Habilitation auch die akademische Lehrbefugnis erwarb.

Heute sind Oberndorfers Forschungsinteressen vielfältig. Für eine bessere Diagnose und Therapie des Glioblastoms etwa, einer nur schwer behandelbaren Krebserkrankung von Gliazellen, erforscht er neue Methoden der Kombination von bildgebenden Verfahren wie etwa der Magnetresonanztomografie mit psychologischen Tests. „Wir entwickeln dafür gerade neuartige Auswertungsmethoden, auch mit Hilfe von künstlicher Intelligenz“, berichtet er aus seiner aktuellen Arbeit. Weitere Forschungsfelder sind die Neuroborreliose und kognitive Beeinträchtigungen bei Multipler Sklerose. Als Forschungsgebiet dazugesellt hat sich auch das Thema Schlaganfall. „Viele subtile Funktionen des Nervensystems, die nach einem Schlaganfall beeinträchtigt sein können, werden im Moment nicht diagnostisch erfasst. Dazu gehören Gedächtnis und motorische Fähigkeiten, aber auch Sprachstörungen“, weiß er. Auch die Untersuchung der Blutgerinnung während der akuten Schlaganfallbehandlung gehört zu Oberndorfers aktueller Forschung.

Mit der Gründung der KL im Jahr 2012 wurde Oberndorfers Abteilung zur Universitätsklinik. Teil einer Universität zu sein, ist einerseits eine große Herausforderung, bietet aber andererseits auch sehr gute Möglichkeiten für den Aufbau von forschendem Nachwuchs. „Mit einer Universität im Hintergrund können unsere jungen Forschenden neue Projekte in den Neurowissenschaften effizienter entwickeln und vorantreiben“, sagt er. „Auch fällt es mit eigener klinischer Forschung im universitären Rahmen leichter, eigenes Wissen und eigene Kompetenz aufzubauen“, ist Oberndorfer überzeugt.

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