Montag, 17. November 2014

Universitäre Lehrordinationen im Rahmen der Famulatur

Die Ärztekammer für Niederösterreich und die Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) unterfertigten am 17. November 2014 am Campus Krems einen Kooperationsvertrag zur Einrichtung universitärer Lehrordinationen im niedergelassenen allgemeinmedizinischen Bereich in Niederösterreich.

Ab Mitte 2015 werden die Medizinstudierenden der KL in approbierten Praxen zumindest vier Wochen im Rahmen ihrer Pflichtfamulatur absolvieren. Die beiden Institutionen setzen damit einen wichtigen Schritt zur Sicherung der Primärversorgung und Nachwuchsförderung im medizinischen Berufsfeld des/der HausärztIn.





Unter Beisein der Medien unterzeichneten Univ.-Prof. Dr. Rudolf Mallinger, Rektor der KL, und Mag.a Sabine Siegl, Prorektorin der KL, sowie Dr. Christoph Reisner, MSc, Präsident der NÖ Ärztekammer, und Dr.in Martina Hasenhündl, Leiterin der Fortbildungsakademie der NÖ Ärztekammer, am 17. November 2014 am Campus Krems einen Kooperationsvertrag zur Einrichtung universitärer Lehrordinationen. Damit wird Medizinstudierenden der KL in Niederösterreich die Möglichkeit gegeben, ihre Famulatur im Bereich der Allgemeinmedizin in einem strukturierten Rahmen bei einer Ärztin oder einem Arzt im niedergelassenen Bereich zu absolvieren.

Kooperation zwischen KL und Ärztekammer für Niederösterreich ist besiegelt und von den VertragspartnerInnen unterfertigt

Dr.in Martina Hasenhündl, Ärztekammerpräsident Dr. Christoph Reiser, Rektor Univ.-Prof. Dr. Rudolf Mallinger, Prorektorin Mag.a Sabine Siegl (v.l.n.r.)(Foto: A.Reischer/KL)





Vier Wochen Famulatur in einer Ordination für Allgemeinmedizin

Studierende der KL sollen künftig vier ihrer 16 Wochen Pflichtfamulatur im Rahmen des zweiteiligen bologna-konformen Medizinstudiums in universitären Lehrordinationen für Allgemeinmedizin im niedergelassenen Bereich in Niederösterreich absolvieren. Die NÖ Ärztekammer gewährleistet, dass die Voraussetzungen für die Einrichtung einer universitären Lehrordination gegeben beziehungsweise die Ärztinnen und Ärzte mit den Anforderungen an eine derartige Einrichtung vertraut sind.

Univ.-Prof. Dr. Rudolf Mallinger bezeichnet die Zusammenarbeit mit der NÖ Ärztekammer als wichtigen Schritt auf den Weg zur Aufwertung des medizinischen Berufs der Hausärztin beziehungsweise des Hausarztes: „Wir wollen unsere Studierenden für die Arbeit der Allgemeinmedizin begeistern. Daher widmen wir bewusst einen Teil der Pflichtfamulatur obligatorisch diesem wichtigen Bereich der Primärversorgung, der in der medizinischen Ausbildung bisher nur stiefmütterlich behandelt worden ist.“ Mit diesem Angebot bietet sich den angehenden Ärztinnen und Ärzten die Chance, im Laufe ihrer medizinischen Ausbildung Einblick in den beruflichen Alltag und die abwechslungsreiche Arbeit einer Hausärztin bzw. eines Hausarztes zu erhalten. „Wir erfüllen damit die Erwartung unserer Studierenden, im Laufe der Ausbildung umfassend auf die verschiedenen beruflichen Perspektiven im Bereich der Medizin vorbereitet zu werden“, skizziert Rektor Mallinger eine wesentliche Zielsetzung dieser Kooperation.





Universität und Ärztekammer ergänzen einander

Auch Präsident Dr. Christoph Reisner, MSc, steht der Zusammenarbeit positiv gegenüber: „Wir können voneinander lernen und profitieren. Auch wenn wir mit der Anzahl der derzeit Studierenden an der Karl Landsteiner Privatuniversität nicht den Ärztemangel in Niederösterreich beheben werden können, ist es dennoch ein Schritt in die richtige Richtung. Wir wollen die Allgemeinmedizin wieder attraktiv machen und dieses vielseitige Fach mit seinen unterschiedlichsten Arbeitsbereichen den Studierenden näherbringen.“ Klinische Fächer spielen im Studium ab dem ersten Semester eine wichtige Rolle. Die Allgemeinmedizin hingegen erscheint auf den ersten Blick weniger spektakulär. „Doch ist das Tätigkeitsprofil äußerst umfangreich. Auch gibt es kaum ein anderes Fach, bei dem das persönliche Verhältnis zu den Patienten so lange und intensiv ist wie das des Hausarztes zu seinen Patienten. Oft über mehrere Generationen kennt der Hausarzt die familiären Verhältnisse und erhält so tiefe Einblicke in das soziale Gefüge der Patienten. Die Verbindung des Hausarztes zu seinen Patienten geht weit über die Möglichkeiten in einem Krankenhaus hinaus“, meint der Ärztekammerpräsident.





Großes Interesse der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin:Train-the-trainer Schulung restlos ausgebucht

Um Ärztinnen und Ärzte für die Aufnahme von Studenten vorzubereiten, bietet die NÖ Ärztekammer eine Train-the-trainer Schulung an. Der erste Termin vor zwei Wochen war binnen kürzester Zeit ausgebucht. „Damit haben wir bereits vor Beginn des Projektes 22 Allgemeinmedizinerinnen und Allgemeinmediziner, die nur darauf warten, ihr Wissen und ihre meist langjährige Erfahrung an künftige Mediziner weiterzugeben. Wir waren überwältigt von den vielen positiven Reaktionen und dem Enthusiasmus der Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin“, berichtet Dr.in Martina Hasenhündl über ihr jüngstes Projekt. „Und auch der nächste Schulungstermin Mitte März ist bereits ausgebucht. Aufgrund des großen Interesses haben wir die Schulung erweitert und können diesmal sogar 35 Ärztinnen und Ärzte aufnehmen.“ Doch auch dies reicht noch immer nicht aus, die Warteliste füllt sich bereits mit weiteren Interessierten. Mit dem Kooperationsprojekt sollen Studierende frühzeitig in Bezug auf ihren beruflichen Werdegang abgeholt werden. „Wir wollen den Studenten schon während des Studiums zeigen, welche vielfältigen Aufgaben und Möglichkeiten sie in einer allgemeinmedizinischen Ordination haben. Durch die intensive Arbeit mit erfahrenen und engagierten Ärztinnen und Ärzten können sie den Alltag in der allgemeinmedizinischen Ordination bestens kennenlernen“, so Dr.in Hasenhündl weiter.





Die Train-the-trainer Schulung der Ärztekammer für NÖ dient als Vorbereitung für Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, die Famulantinnen und Famulanten aufnehmen wollen. „Damit wird die Basis für einen einheitlichen Standard in der Betreuung geschaffen.“ Neben den organisatorischen Grundlagen der Lehrpraxis für die Famulatur wie Inhalte des Kooperationsvertrages samt Beitrittserklärung und rechtlichen Aspekten werden auch die medizinischen Inhalte vermittelt, die in einem eigens geschaffenen Logbuch zusammengefasst sind. Ein weiterer Schwerpunkt der eineinhalbtägigen Schulung betrifft ein Kommunikations- und Reanimationstraining.

Nur einer von 50 Studierenden will derzeit in die Allgemeinmedizin

Ein Studentin im vierten Semester an der Medizinischen Universität Wien hat kürzlich von einer kleineren Befragung in ihrem Umfeld berichtet, wonach von etwa 50 Studierenden nur eine Studentin die Möglichkeit ins Auge gefasst hat, den Beruf der Allgemeinmedizinerin zu wählen und eine Praxis zu gründen. Sie schloss daraus, dass die Studierenden verfälschte Vorstellungen von den Tätigkeiten innerhalb der einzelnen Fachrichtungen haben. Den Studierenden fehle schlichtweg der Einblick in das Schaffen und den Arbeitsbereich eines Hausarztes. „Dem wollen wir mit diesem Kooperationsprojekt entgegenwirken“, ergänzt Präsident Dr. Reisner.

Aufgaben der Studierenden im Rahmen der Famulatur

Was erwartet die Studierenden im Rahmen der Famulatur im niedergelassenen allgemeinmedizinischen Bereich? „Unsere Studierenden führen unter Anleitung und Aufsicht der Ordinationsinhaberin bzw. des Ordinationsinhabers Anamnese-Erhebungen und körperliche Untersuchungen durch“, erläutert Dr. Manfred Wieser, MSc, Studiengangsleiter des zweiteiligen, bologna-konformen Medizinstudiums der KL. „Sie haben auch die Möglichkeit, direkt an realen Patientinnen und Patienten selbstständig Diagnosen und Therapie-Optionen zu erarbeiten, diese mit den Experten zu diskutieren sowie Umsetzung und Verlauf mitzuerleben.“





Bereits in der Vorbereitung der Famulatur sind Lehrende aus dem Bereich der Allgemeinmedizin eingebunden, die verschiedene Aspekte und Spezialisierungen des umfangreichen Berufsbildes näher vorstellen. „Wir wollen damit gewährleisten, dass unsere Studierenden schon während des Studiums mit den Abläufen in einer allgemeinmedizinischen Ordination vertraut werden und sich für dieses Berufsfeld begeistern“, betont Dr. Wieser.

Ab Mitte 2015 werden die ersten 27 Studierenden der KL ihre Famulaturen beginnen – im Vollbetrieb werden es rund 70 Studierende pro Jahr sein, die in den universitären Lehrordinationen in Niederösterreich betreut werden.

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