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Aktuelle Studie zu CoVid-19 und ältere Menschen in NÖ

Montag, 20 Juli, 2020 - 15:55

Die Corona-Pandemie habe das Leben von einem auf den anderen Tag verändert, sagte Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister bei einer Pressekonferenz am heutigen Montag im Landhaus, wo sie gemeinsam mit Landesrat Martin Eichtinger und Univ.-Prof. Franz Kolland, Leiter des Kompetenzzentrums für Gerontologie und Gesundheitsforschung der Karl Landsteiner Privatuniversität in Krems, eine Studie zu „Covid-19 und Social Distancing im Alter“ vorstellte.

Aktuelle Studie zu CoVid-19 und ältere Menschen in NÖ

v.l.: Landesrat Martin Eichtinger, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister und Univ. Prof. Franz Kolland

© NLK Filzwieser 

Die Ausbreitung des Corona-Virus hat auch die Niederösterreicher vor neue Herausforderungen gestellt. Die mit der Pandemie einhergehenden Maßnahmen haben für die Sozialbeziehungen vieler Menschen Veränderungen bedeutet. „Eine Gruppe, die besonders im Mittelpunkt der Schutzbestimmungen stand und auch noch immer steht, sind ältere Menschen. Es geht um die Gruppe 60+, das sind mehr als ein Viertel unserer Bevölkerung, 26,5 Prozent beziehungsweise über 444.000 Menschen“, sagte Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. Diese Gruppe sei in der Pandemie aufgrund ihres Alters oder von Vorerkrankungen als Risikogruppe eingestuft worden. Sie solle daher besonders geschützt werden, meinte die Landesrätin. „Wir wollten wissen, wie es diesen Menschen gegangen ist und wie sie sich in den letzten Monaten gefühlt haben, wie sie diese herausfordernde Zeit erlebt haben, welche Strategien sie entwickelt haben, um am sozialen Leben teilzunehmen, um in Bewegung zu bleiben oder die Distanz zu ihren Familien zu überwinden“, so Teschl-Hofmeister.

Deswegen sei eine Studie zu Covid-19 und Social Distancing im Alter in Auftrag gegeben worden. Die Landesrätin dazu: „Es wurden 521 Menschen befragt, die 60 Jahre oder älter sind. Die Befragung erfolgte zwischen April und Mai 2020 telefonisch. Mit dieser Studie wollten wir das subjektive Empfinden der Generation 60+ abfragen.“ Aus der Studie wisse man, dass sich im Besonderen die Gruppe 80+ selbst zur Risikogruppe zähle. Die Studie zeige auch, dass sich Ältere eher geschützt als bevormundet fühlen. „63 Prozent hatten sich nicht als gesellschaftlich bevormundet gefühlt. Im überwiegenden Ausmaß fühlen sie sich durch ein gesellschaftliches Netzwerk geschützt, 87 Prozent haben das angegeben. 83 Prozent haben gesagt, dass sie durch ein verwandtschaftliches Netzwerk geschützt seien. Ein Zeichen, dass man sich in der Gemeinschaft geborgen fühlt“, ergänzte Teschl-Hofmeister.

Dem Thema Social Distancing stehe diese Generation positiv gegenüber. „Die Auswirkungen auf den Alltag sind aber gegenwärtig, wie zum Beispiel weniger Bewegung, obwohl das im Alter besonders wichtig ist. Die Kommunikation hat sich von persönliche auf virtuelle Kommunikation verändert. Die digitale Welt wird für die soziale Teilhabe von alten Menschen in Zukunft immer wichtiger. Allerdings gibt es in der Gruppe 80+ doch noch eine große Skepsis gegenüber digitalen Medien. Die in dieser Gruppe stark ausgeprägte Freiwilligenkultur und die ehrenamtliche Hilfe wurden eingeschränkt“, ergänzte die Landesrätin. 60 Prozent hätten in der Corona-Krise ihre ehrenamtliche Tätigkeit eingestellt beziehungsweise einstellen müssen. Es müsse nun gelingen, diese Gruppe wieder zu aktivieren. Denn es sei nicht nur ein wertvoller gesellschaftlicher Beitrag, sondern es helfe auch den aktiven älteren Menschen selbst, es stärke ihre Produktivität und wirke der Vereinsamung entgegen. Genauso trage Bewegung und körperliche Aktivität zum Wohlbefinden und Teilhabe im Alter bei. Rund die Hälfte der Befragten gab an, dass sie ihr Bewegungsverhalten reduziert habe.

Landesrat Martin Eichtinger sagte: „Das soziale Leben ist massiv in Mitleidenschaft gezogen worden. Es hat neue Formen angenommen, die uns in dieser Art und Weise ungewohnt waren.“ Um zu erfahren, was die Krise mit den Menschen gemacht habe, sei diese wissenschaftliche Studie vom Land Niederösterreich und dem NÖ Gesundheits- und Sozialfonds (NÖGUS) in Auftrag gegeben worden. „Wir wollen aus diesen Ergebnissen Schlüsse ziehen, wie die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher in solchen Ausnahmesituationen leben, wo Defizite waren und wie man hier unterstützen kann. Ein ganz großes Dankeschön möchte ich Herrn Professor Kolland und seinem Team für diese wichtige Forschungsarbeit aussprechen“, so der Landesrat. Ein wichtiges Detail dieser Forschungsarbeit sei das Ergebnis zur Bewegungsfrage. „Knapp ein Drittel bewegt sich seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie öfter, wobei ein Teil Rückgänge in der außerhäuslichen Bewegung durch verstärkte Indoor-Bewegung kompensiert hat. Bei etwas über der Hälfte unserer älteren Landsleute hat sich das Bewegungsniveau nach eigenen Angaben seit der Krise reduziert. Rund 15 Prozent bewegen sich aktuell oder an sich nicht. Unser wichtigstes Ziel ist es, die Lebensjahre in Gesundheit zu steigern und Gesundheitsvorsorge im Bewusstsein der Menschen zu verankern“, meinte Eichtinger. Um dieses Ziel zu erreichen, setze man stark auf Information und Bewusstseinsbildung. Einerseits sei dazu eine TUT GUT Kurzfilmserie unter dem Motto „Gesund Daheim im Eigenheim“ gedreht worden, die einen Schwerpunkt auf die ältere Generation setzt. Andererseits sei das Online-Angebot von Natur im Garten ausgebaut worden. Denn auch Natur im Garten habe sich während Corona als Bewegungsmotivator ausgezeichnet.

„In unserem Vorsorge-Programmen werden wir weiterhin für Seniorinnen und Senioren Schwerpunkte anbieten und bestehende Programme erweitern. Denn: Keine Bewegung bedeutet massiven Rückschritt für den Körper, für den Geist und gefährdet letztlich die Gesundheit“, ergänzte Eichtinger.

Univ. Prof. Franz Kolland vom Kompetenzzentrum für Gerontologie und Gesundheitsforschung an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften betonte: „Es ist die einzige Studie in Österreich zum Alter in der Corona-Krise.“ Laut Kolland stelle sich die Krise für einen 85-Jährigen anders dar als für einen 65-Jährigen. Nach dem Motto „time is running out“ könne eine einjährige Krise für einen Älteren vielleicht das letzte Lebensjahr bedeuten. Ein 65-Jähriger mache hingegen noch Zukunftspläne.

Ältere fühlen sich laut Kolland gut informiert, geschützt und kaum bevormundet. „Jüngere fühlen sich eher bevormundet als ältere Menschen“, unterstrich er. Im Hinblick auf soziale Distanz sei die Familie wieder in den Fokus gerückt, das Telefon sei für die Älteren die primäre Quelle zur Kommunikation gewesen. Die Generation 60+ nutze zusätzlich digitale Medien, wenngleich „Videotelefonie die Einsamkeit nicht aufheben kann“, so der Universitätsprofessor. Ein großes Thema sei es laut Kolland, die Menschen wieder in die Freiwilligkeit zurückzubringen. Handwerkliche Tätigkeiten und Bewegung seien wichtige Elemente, um aktiv zu bleiben. Sein Fazit:
„Alte Menschen sind sehr robust gegen Veränderungen und können sich anpassen.“

Abschließend sagte Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister: „Die weitreichenden Veränderungen im Alltagsleben fordern ältere Menschen.“ Sie ging daher auf drei wesentliche Punkte näher ein:
Bewältigungsstrategien, Digitalisierung sowie ehrenamtliche Tätigkeit und Nachbarschaftshilfe.

„Eine große Rolle bei der Bewältigung dieser Veränderungen spielen Familie und Freunde. Diesen Zusammenhalt gilt es zu stärken und ich freue mich, dass wir mit dem NÖ Familienpass ein wichtiges Zeichen dafür setzen können.“
Genauso hilfreich für die Überbrückung dieser ungewöhnlichen Zeit seien handwerkliche Tätigkeiten. „Hier möchte ich auf ein neues Projekt hinweisen das wir gemeinsam mit den Seniorenorganisationen aktuell ins Leben rufen. Mit dem Projekt ‚SeniorInnen aktiv in besonderen Zeiten‘ werden Menschen gesucht, die Tipps geben können, die zum Nachmachen einladen und für andere motivierend sein sollen“, so Teschl-Hofmeister.

Im Hinblick auf die Digitalisierung werden Kurse angeboten, um Senioren fit für Smartphones zu machen. Zudem stelle das Land Niederösterreich auf www.noe.gv.at alle Informationen immer aktuell zur Verfügung. „Wichtige Partnerinnen dabei sind auch die Gemeinden, auf ihren Webseiten sind oft Informationen über lokale Hilfsprojekte zu finden“, so die Landesrätin.

„Zum Abschluss möchte ich noch einen Appell an jene richten, die ehrenamtlich tätig waren. Bleiben sie dabei und stützen Sie diese wichtige Säule unseres sozialen Zusammenhaltes auch in Zukunft. Achten Sie dabei auf Ihre Gesundheit und die Gesundheit anderer – mit Abstand können Sie am meisten helfen“, unterstrich Teschl-Hofmeister.

 

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