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KL öffnet Türen für Kunstinteressierte

Samstag, 15 September, 2018 - 15:00

Vergangenen Samstag besuchten Kunstinteressierte die KL, um das im Foyer installierte Kunstwerk „Zell“ von Christian Schwarzwald zu besichtigen.

Kunstführung Landpartie, Besichtigung der Kunstinstallation "Zelle"

(c) KL/I.Brunner

Landpartie ist eine Initiative, die Bärbel Zechner in Kooperation mit Kunst im öffentlichen Raum organisiert. Dabei fahren kunstinteressierte Wiener_innen an einem Samstag nach Niederösterreich und besichtigen verschiedene Stationen. Die nächste Station der Gruppe war die auf Initiative der KL zustande gekommene Kunstinstallation von Ramesch Daha an der Mauer der Justizanstalt Stein.

Zum Kunstwerk "ZELL"

Die Installation ZELL in der Eingangshalle der KL besteht aus rund 800 bezeichneten und bemalten Aluminiumplatten (je 24 x 31 cm). An Stahlseilen von der Decke hängend, bilden sie eine Art großen kugelförmigen Schwarm, der – hervorgerufen durch die unterschiedlichen Biegungen der Platten – in Bewegung erscheint. Ein Teil ist mit blauer Farbe in gestischer bis minimalistischer Abstraktion bemalt, ein Teil mit grafischen Zeichen. Von unten schaut man in einen Wirbel von Bildflächen und unbekannten Zeichen. Sie erinnern an Hieroglyphen, deren Einzelteile eine Einheit bilden – ähnlich einem Schriftstück, einem Code oder einer Musik-Partitur.
Form und Inhalt der Installation lassen an die Matrix eines Zellkerns denken, der als gigantischer Informationsspeicher die DNA eines Organismus enthält. Gleichzeitig zielt diese Anordnung von Farbstrukturen und grafischen Kürzeln in das Zentrum von Schwarzwalds künstlerischer Investigation, in der er untersucht, nach welcher Logik und welchen Regeln Schriftzeichen und Bilder entstehen, wie sie sich zueinander verhalten und wie sich einzelne Zeichen zu komplexen Informationen formen. ZELL ist eine Art Versuchsanordnung, in der die einzelnen Bildtafeln wie Buchstaben eingesetzt werden. Indem Schwarzwald Bilder durch Abstraktion ihrer Symbolfunktion enthebt und Zeichen jenseits unseres Sprachsystems formt, erhalten Schrift und Bild eine Gleichwertigkeit. Dabei lotet er die Grenzen von Lesbarkeit aus, um die Konstruktion und den Aufbau von Schrift und Zeichen zu erforschen.

Christian Schwarzwald arbeitet oft in enzyklopädisch angelegten seriellen Arbeiten, die sich aus vielen kleinen Zeichnungen zusammensetzen. Mit chirurgischer Präzision untersucht er Schrift, Bildsprache, Bildsymbolik wie Metaphorik. In seinem zeichnerischen Werk ergründet er die Welt in ihrer Gesamtheit mit mikroskopischem und makroskopischem Blick und begibt sich in Arbeiten wie ZELL gleichzeitig in den Bereich des bewusst Undefinierten. Nicht zuletzt ist es diese Überwindung des Widerstands zwischen analytischem und assoziativem Denken, die Schwarzwalds künstlerisches Werk ausmacht.

Quelle: (Cornelia Offergeld)

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