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Covid-19-Infektion eines nahen Verwandten erhöht die psychische Belastung älterer Personen

Montag, 13 Juni, 2022 - 08:00

Die Covid-19 Pandemie und die damit einhergehenden Einschränkungen wirkten sich negativ auf das Wohlbefinden der Bevölkerung aus. In der Gruppe der älteren Personen wurden gesteigerte Angst, Depressionen und Stress während der Pandemie gefunden. Bei Personen, welche eine Covid-19 Infektion im sozialen Umfeld erlebt hatten, erhöhte sich das Risiko einer psychischen Belastung während der Pandemie. Ebenso konnte ein negativer Einfluss einer selbst durchlebten COVID-19 Infektion festgestellt werden. Bis dato noch untererforscht war der Einfluss der Infektionserfahrung auf die Psyche in Bezug auf die Infektionsschwere sowie die Nähe zur betroffenen Person.

Alte Menschen mit FFP2 Masken auf Parkbank

Theresa Heidinger, BSc MSc, vom Kompetenzzentrum Gerontologie und Gesundheitsforschung untersuche zusammen mit Dr. Lukas Richter BSc MSc der Fachhochschule Sankt Pölten die subjektiv erlebte, gesteigerte psychische Belastung durch eine COVID-19-Eigeninfektion sowie durch eine COVID-19 Infektion von Angehörigen oder Bekannten in der Gruppe der über-50jährigen. Die Daten der über 40 000 Befragten aus 28 verschiedenen europäischen Ländern entstammen einem Datensatz des „Survey of Health, Aging and Retirement in Europe (SHARE)“ aus dem Jahr 2021. Der Schweregrad der Infektionserfahrung (keine Infektion/positiver Test/ Krankenhausaufenthalt- Tod) sowie die Nähe zur erkrankten Person (Selbst/ Nahes Netzwerk/ Entferntes Netzwerk) wurden verschränkt, um die Effekte dieser Variablen auf die berichtete psychische Belastung (Verschlimmerung von Angstzuständen, Depressionen und Schlafstörungen im Vergleich zum Jahr 2020) zu analysieren. Kontrolliert wurde weiters für die Variablen „Gesundheitszustand“, „Kontrollverlust“, welche die unsicheren Lebensumstände in der Pandemie umfassten (verschobene oder abgesagte Arzttermine, Abhängigkeit von fremder Hilfe für Tätigkeiten des täglichen Lebens) und soziodemografische Faktoren.

Eine schwere COVID-19 Infektion in der eigenen Person sowie im sozialen Umfeld erhöht die psychische Belastung, wobei auch schon leichte Infektionserfahrungen zu einem erhöhten Risiko für gesteigerte psychische Belastung in der Pandemie führen. Die Studie bestätigt hiermit einen Einfluss von eigener COVID-19 Erkrankung sowie einer Erkrankung Dritter auf die mentale Gesundheit von älteren Personen. Die Zunahme des erlebten Kontrollverlusts sowie eine wahrgenommene Verschlechterung des Gesundheitszustandes haben ebenso einen negativen Effekt auf die psychische Belastung. Die Studie unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es ist, die Pandemie ehestmöglich unter Kontrolle zu bringen, da auf Grund der sich überlagernden Effekte der hier gezeigten Einflussfaktoren mit langfristigen, negativen Auswirkungen auf die psychische Gesundheit ältere Menschen gerechnet werden muss.

Die Publikation ist im Rahmen des Open Access Abkommens der KL mit dem Verlag Frontiers für jedermann frei zugänglich erschienen.

HEIDINGER, T. & RICHTER, L. 2022. Examining the Impact of COVID-19 Experiences on Reported Psychological Burden Increase in Older Persons: The Effects of Illness Severity and Social Proximity. Frontiers in Psychology, 13.

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