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Gerald Obermair, Neurophysiologe: Der Molekülmaschine des Gehirns auf der Spur

Obermair Gerald

(c) KL/K.Ranger

Forschende im Porträt

Er ist ein international angesehener Neurophysiologe und begeisterter Forscher. Seit März 2019 leitet Gerald Obermair als Universitätsprofessor der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften (KL) den Fachbereich Physiologie am Department Pharmakologie, Physiologie und Mikrobiologie der Universität. Sein jüngstes Herzensprojekt ist ein interdisziplinäres Doktoratsprogramm mit dem Titel „Mental Health and Neuroscience“, das voraussichtlich 2023 startet.

Ein Biomolekül hat es Obermair besonders angetan: spannungsabhängige Kalziumkanäle. „Diese Kanäle sitzen in der Zellmembran und lassen Kalziumionen in die Nervenzelle strömen, sobald sich in ihrem Umfeld die elektrische Ladung ändert“, erklärt er. „Damit leisten die Kalziumkanäle einen wichtigen Beitrag bei der Signalübertragung zwischen Nervenzellen und damit auch zur Funktion des Gehirns als Steuerzentrale des Organismus.“

Auch beim Wachstum des zentralen Nervensystems und beim Lernen spielen diese Kanäle offenbar eine wichtige Rolle. Obermair vermutet, dass die Häufigkeit und Verteilung der Kalziumkanäle im Gehirn mit einer Reihe von psychischen Erkrankungen in Verbindung steht. „Die Ergebnisse vieler Studien, darunter auch meine, legen einen Zusammenhang etwa mit Autismus, Epilepsie, Depression und Angststörungen nahe“, weiß Obermair. „Und deshalb sind sie auch für die klinische Behandlung interessant.“

Ursprünglich wollte Obermair Meeresforscher werden, wie der österreichische Tauchpionier Hans Hass, sein frühes Vorbild. Deshalb studierte er zunächst Biologie. Während seines Studiums verbrachte er ein Auslandsjahr in Ohio (USA), wo er sich in Neurobiologie und Biochemie spezialisierte. Zurück in Österreich nahm er eine Stelle als Doktorand in Innsbruck an, wo er schon bald seine eigene Arbeitsgruppe aufbaute. Später etablierte er in Innsbruck ein Doktoratsprogramm für Neurophysiologie. Diese Erfahrung wird er nun beim Aufbau des neuen PhD-Programms „Mental Health and Neuroscience“ nützen.

Seit seinem Start an der KL pendelt Obermair mit dem Zug zwischen Innsbruck und Krems. Neben seiner Innsbrucker Forschungsgruppe, die er weiterhin in Teilzeit betreut, leben auch seine Frau und zwei Töchter noch dort. „Die zwei Arbeitsorte sind ein guter Grund, auch in Zeiten der Corona-Pandemie reisen zu können“, verrät Obermair lächelnd.

Text: Klaus Wassermann
Link: Webseite des Fachbereichs Physiologie der KL

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