Montag, 20. April 2026

Victor Zevallos, Professor für Ernährungswissenschaften mit besonderer Berücksichtigung der Mikrobiomforschung

Ernährung verstehen, Gesundheit gestalten: Forschung, die durch den Magen geht

Von internationalen Forschungsinstituten in Europa und Nordamerika nach Krems: Univ.-Prof. Dr. Victor Zevallos bringt umfassende wissenschaftliche Erfahrung an die Karl Landsteiner Privatuniversität (KL Krems). Als Leiter des Fachbereichs Ernährungswissenschaften untersucht er, wie Ernährung, Immunsystem und Stoffwechsel zusammenwirken – und welche Rolle sie bei der Prävention und Behandlung von Krankheiten spielen.

Neugier, ein starkes Engagement für internationale Zusammenarbeit und ein interdisziplinärer Ansatz haben seine wissenschaftliche Laufbahn von Beginn an geprägt. Als Leiter des Fachbereichs Ernährungswissenschaften an der KL Krems kann er auf lange und internationale Erfahrung zurückblicken. So absolvierte er nach Abschluss seiner Promotion in England mehrere Forschungsaufenthalte an renommierten Instituten in Deutschland, den Niederlanden und Kanada. Diese Erfahrungen vertieften nicht nur seine fachliche Expertise, sondern erweiterten auch seine Perspektive und führten zum Aufbau internationaler Netzwerke, die seine Arbeit bis heute prägen.

Sein akademischer Werdegang folgte einer klassischen, zugleich aber deutlich internationalen Laufbahn: Nach mehreren Postdoc-Positionen in Europa und Nordamerika erhielt er seine erste Professur in London, gefolgt von einer weiteren in Newcastle. Seit 2025 ist Victor Zevallos Professor an der KL Krems, wo er seine umfangreiche internationale Erfahrung in Forschung und Lehre einbringt und zum Aufbau sowie zur Weiterentwicklung des Fachbereichs beiträgt.

Eine Leidenschaft für Ernährungswissenschaften

Das Thema Ernährung zieht sich wie ein roter Faden durch seine gesamte akademische Karriere. „Es ist ein breites Forschungsfeld, das mehrere Disziplinen umfasst, darunter klinische Ernährung, Immunologie, globale Ernährungssysteme und Public Health. Besonders interessiert mich, wie Ernährung Gesundheit und Krankheit beeinflusst – insbesondere im Zusammenhang mit komplexen immunologischen Erkrankungen.“, erklärt Prof. Zevallos und betont die Vielschichtigkeit des Forschungsfeldes. 

Eines seiner Hauptforschungsgebiete ist die Zöliakie, eine Autoimmunerkrankung, die überwiegend den Dünndarm betrifft. „Zöliakie ist durch eine T-Zell-vermittelte Immunreaktion auf Gluten gekennzeichnet, eine Gruppe von Nahrungsproteinen, die in Getreide vorkommen und zu einer Schädigung der Darmschleimhaut führen. Für Betroffene ist eine strikt glutenfreie Ernährung die wirksamste Behandlung. Während die Rolle der adaptiven Immunität bei Zöliakie gut belegt ist, ist die angeborene Immunantwort auf Weizenproteine weniger klar definiert. Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass diese Reaktionen zur Entwicklung weiterer immunvermittelter Erkrankungen sowohl innerhalb als auch außerhalb des Magen-Darm-Trakts beitragen könnten, was das komplexe Zusammenspiel von Ernährung, Immunsystem und Stoffwechsel unterstreicht.“, so der Forscher. 

Seit 2025 wird intensiv daran gearbeitet, neue Forschungsprojekte innerhalb des Fachbereichs zu entwickeln. Dazu gehören Untersuchungen zur Rolle pflanzlicher Proteine unter Umweltstress und deren biologische Auswirkungen, die Erforschung der Wechselwirkungen zwischen Ernährung und etablierten pharmakologischen Therapien – insbesondere bei Autoimmun- und entzündlichen Erkrankungen – sowie die Analyse der Ernährung als zentraler Modulator des Darmmikrobioms in Gesundheit und Krankheit. „Es gibt bislang nur wenige klare krankheitsspezifische Ernährungsempfehlungen. Unser Ziel ist es, die Entwicklung zukünftiger Leitlinien zu unterstützen, indem wir neue und traditionelle Nährstoffe bzw. Ernährungsbestandteile untersuchen, die Ernährungsvielfalt erweitern und neue Erkenntnisse zur personalisierten Ernährung sowie zu nachhaltigen Ernährungssystemen gewinnen.“, beschreibt Zevallos die langfristige Ausrichtung seiner Forschung. 

Forschung mit translationalem Ansatz

Ein besonderes Merkmal der Forschung an der KL Krems ist ihr ausgeprägter translationaler Ansatz, bei dem Grundlagenforschung eng mit klinischer Anwendung verknüpft wird. Die enge Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Disziplinen sowie mit Industriepartnern und internationalen Forschungsnetzwerken schafft ein Umfeld, das Innovation gezielt fördert.

Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team, das Expertise in Immunologie, Biochemie, Molekularbiologie sowie in präklinischen und klinischen Studien vereint, untersucht Victor Zevallos derzeit die immunmodulatorischen Effekte von Nahrungsproteinen bei gastrointestinalen Erkrankungen, die Wechselwirkungen zwischen Nahrungsbestandteilen und pharmakologischen Therapien sowie die Rolle des Mikrobioms in der Darm-Hirn-Achse. Studierende der KL Krems und ihrer Partnerinstitutionen sind aktiv in diese Projekte eingebunden – von der Laborarbeit bis hin zu klinischen Studien im Rahmen ihrer Bachelor-, Master- und Doktoratsprogramme.

Blick in die Zukunft

Victor Zevallos sieht einen großen Forschungsbedarf insbesondere in den Bereichen der personalisierten Ernährung und der Mikrobiomforschung, in den Mechanismen der Wechselwirkungen zwischen Ernährung und Krankheit sowie in nachhaltigen Ernährungssystemen. „Ziel ist es, ein tieferes Verständnis für die komplexen Wechselwirkungen zwischen Darmmikrobiom, Stoffwechsel und Immunsystem zu gewinnen und dieses Wissen in personalisierte Ernährungsstrategien sowie präventive Ansätze zu übertragen. Die größten Herausforderungen liegen in der inhärenten Komplexität biologischer Systeme, in methodischen Einschränkungen und im zeitlichen Aufwand für aussagekräftige klinische Studien. Doch gerade diese Komplexität macht die Arbeit besonders spannend.“, so Zevallos abschließend. 

Univ.-Prof. Dr. Victor Zevallos

Univ.-Prof. Dr. Victor Zevallos

Leitung
Fachbereich Ernährungswissenschaften