Verena Steiner-Hofbauer, Psychologin und Leiterin des Forschungszentrums Transitionspsychiatrie
Digitale Medien, insbesondere soziale Medien, die für diese Generation oft zentraler Bestandteil des Alltags sind und die Lebenswelt entscheidend prägen, bergen sowohl Chancen als auch Risiken.
Als Leiterin des Forschungszentrums Transitionspsychiatrie an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften untersucht Mag. Dr. Verena Steiner-Hofbauer verschiedene gesellschaftliche, psychologische, biologische und soziale Aspekte aus der Lebensrealität von jungen Menschen in Zusammenhang mit mentaler Gesundheit. Die abgeleiteten Erkenntnisse können für praktische Leitlinien herangezogen werden, die nicht nur für die Therapie, sondern auch für die Prävention psychischer Erkrankungen von großem Nutzen sind.
Nach einer sehr vielseitigen beruflichen Laufbahn und einigen Umwegen fand Verena Steiner-Hofbauer zu ihrem heutigen Job in der Wissenschaft. „Da ich eine schlechte Schülerin war, habe ich nach der Pflichtschule die Schule erst einmal abgebrochen und eine Lehre zur Bürokauffrau gemacht, danach eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Außerdem war ich einige Zeit in der Immobilienbranche und danach bei einem Imkerverein – dort konnte ich auch eine Imker:innenausbildung machen. Später habe ich in der Abendschule meine Matura nachgemacht und Ernährungswissenschaften studiert, dann auf Psychologie gewechselt und dieses Studium auch abgeschlossen.“
Die Begeisterungsfähigkeit für viele unterschiedliche Themengebiete begleitet sie bis heute. „Nach dem Studium habe ich eine Stelle an der Medizinischen Universität Wien als Prüfungsreferentin angenommen. Dort war ich Koordinatorin im Simulationspatientinnen-Programm und für große Prüfungen der Zahnmedizin verantwortlich.“ An der MedUni Wien hat Verena Steiner-Hofbauer wichtige Kontakte geschlossen und ihre, wie sie sagt, Doktormütter, Dr. Anita Holzinger und Dr. Beate Schrank kennengelernt. „Beide haben mich dazu motiviert, das Doktorats-Studium Mental Health and Behavioral Medicine zu beginnen. Nach einigen Jahren in der Uni-Verwaltung konnte ich dann an die Research Unit für Curriculum Development der MedUni wechseln. Dort beschäftigte ich mich mit dem Forschungsschwerpunkt Medizinische Ausbildungsforschung - ein kleines, aber durchaus spannendes Forschungsfeld.“
In ihrer Dissertation widmete sich die Wissenschaftlerin Stressoren sowie funktionalen und dysfunktionalen Copingstrategien im Medizinstudium. „Zusätzlich habe ich mich mit Genderaspekten und politischen Themen wie der Landärzte:innen-Problematik und der Frage, was gute Ärzt:innen eigentlich ausmacht, auseinandergesetzt.“ Nach ihrem Abschluss wurde ihr im Jahr 2022 eine Stelle als PostDoc im neu gegründeten Forschungszentrum für Transitionspsychiatrie an der KL angeboten, das sie seit Februar 2024 auch leitet.
Forschungsthemen in der Transitionspsychiatrie
Ein besonderer Schwerpunkt des Forschungszentrums ist die Untersuchung des Einflusses digitaler Medien auf die psychische Gesundheit junger Menschen. „Digitale Medien, insbesondere soziale Medien, die für diese Generation oft zentraler Bestandteil des Alltags sind und die Lebenswelt entscheidend prägen, bergen sowohl Chancen als auch Risiken: Sie können soziale Vernetzung und Unterstützung ermöglichen, bieten aber auch Potential für Suchtverhalten, Cybermobbing, Vergleiche und anderes Problemverhalten. Es ist daher wichtig, dass Forschung die Wechselwirkungen zwischen der digitalen Mediennutzung und der psychischen Gesundheit untersucht“, so Verena Steiner-Hofbauer. Mit dem Universitätsklinikum Tulln werden gemeinsame Forschungsarbeiten umgesetzt. Etwa eine Studie zu Versorgungswegen und zum Verlauf von Patient:innen im Transitionsalter oder die Auswirkungen der Valenz von Fernsehserien auf Stimmung und Depression. Zudem wurden mehrere qualitative und quantitative Studien zur Auswirkung und Wahrnehmung von stigmatisierender und nicht-stigmatisierender Darstellung von psychischen Erkrankungen in Videospielen und Projekte zu Social Media und Mental Health durchgeführt.Ein weiterer Teilbereich der Forschung befasst sich mit der Myalgischen Enzephalomyelitis bzw. dem Chronischen Fatigue-Syndrom (ME/CFS), zumal viele junge Menschen davon betroffen sind. In Planung sind außerdem mehrere Untersuchungen zu Ernährung und psychischer Gesundheit und eine Interviewstudie mit Patient:innen im Transitionsalter zu speziellen Bedürfnissen und der Übereinstimmung mit den bestehenden Behandlungsstrukturen am UK Tulln. „Eine Besonderheit unseres Zentrums ist, dass wir durch die Nähe zum Universitätsklinikum Tulln eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Abteilungen der Erwachsenenpsychiatrie haben. Das gibt uns die Möglichkeit, Projekte direkt unter Einbezug von Patient:innen umzusetzen, aber auch theoretische Themen behandeln zu können, die keinen klinischen Schwerpunkt haben. Dadurch haben wir einen weiten Blick auf verschiedene kritische – aber nicht nur klinische – Aspekte des Erwachsenwerdens. Unser Zentrum ist bis Mitte 2026 finanziert. Es ist eine Herausforderung, die mir besonders am Herzen liegt, dieses in eine sichere Zukunft zu führen, damit die wertvolle Arbeit fortgeführt werden kann.“
Vielseitiges Know-how eröffnet neue Perspektiven
Als Wissenschaftlerin beschreibt sich Verena Steiner-Hofbauer als neugierig, begeisterungsfähig und offen für neue Ideen. „Ich liebe die Abwechslung und die Möglichkeit, gemeinsam kreativ zu arbeiten. Das Team des Forschungszentrums ist sehr dynamisch, vielfältig interessiert und begabt. Ich bin daher besonders dankbar, dass ich durch die Leitung des Zentrums die Möglichkeit habe, an allen laufenden Projekten mitzuwirken und aktiv an der Gestaltung von zukünftigen Plänen teilzunehmen.“ Die laufende Betreuung von Bachelor- und Masterarbeiten ist eine weitere Aufgabe. „Im Sommer bieten wir am Forschungszentrum die Möglichkeit an, ein Forschungspraktikum zu absolvieren. Zudem sind wir für Lehrveranstaltungen in Psychologie eins und zwei im Medizinstudium verantwortlich, in denen wir Body-Mind Interactions behandeln. Wir organisieren und leiten in Kooperation mit dem UK Tulln auch die „Wissenschaftssitzung“, in der Studierende wie Forschende aus der Klinik ihre Forschungsprojekte präsentieren und diskutieren können. Am Zentrum bilden wir außerdem zwei PreDocs aus, deren Anleitung und Förderung eine besondere Freude ist.“
Privat ist Verena Steiner-Hofbauer ein absoluter Familienmensch und verbringt viel Quality Time mit ihrer kleinen Tochter und ihrem Mann. „Wir machen Ausflüge und Reisen. Ich liebe ausgedehnte Spaziergänge, allein oder mit Freunden. Ich lese leidenschaftlich Fantasy und New Adult-Romane, außerdem koche und backe ich sehr gerne. All das sind Dinge, in denen ich einen guten Ausgleich zum Job finde.“