Dienstag, 24. März 2026

Silvia Exenberger-Vanham, Klinische und Gesundheitspsychologin

Veränderung ist möglich, nichts ist in Stein gemeißelt.

Univ.-Prof. Dr. Mag. Silvia Exenberger-Vanham leitet seit Oktober 2025 den Fachbereich Klinische Psychologie an der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL). Als Klinische-, Gesundheits- und Entwicklungspsychologin verbindet sie Forschung, Lehre und klinische Praxis mit einem klaren Schwerpunkt auf einer ganzheitlichen Betrachtung des Menschen. Neben ihrer Tätigkeit an der KL ist sie in der Forschung an den Tirol Kliniken, Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Hall in Tirol, eingebunden und leitet gemeinsam mit Dr. Verena Wolf das Institut für Positive Psychologie und Resilienzforschung (IPPSY).

Exenberger-Vanham studierte Psychologie in Innsbruck, nachdem sie zuvor als Elementarpädagogin tätig war - ein Berufswunsch, der sie bereits seit ihrer frühen Kindheit begleitete. Ein Erasmus-Studium an der Freien Universität Berlin fiel in die Zeit des Mauerfalls, der ein prägendes Erlebnis zwischen Aufbruch und Verunsicherung war. Ihre wissenschaftliche Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen und psychosozialen Fragestellungen vertiefte sie unter anderem im Rahmen ihrer Diplomarbeit, die sie 1994 in Südafrika zum Ende der Apartheid verfasste. Früh setzte sie sich mit kulturellen Kontexten, sozialen Ungleichheiten und deren Auswirkungen auf Kinder auseinander, unter anderem während eines Forschungsaufenthalts in Kapstadt, bei dem sie ihren Forschungsfokus auf autistische Kinder und Jugendliche legte.

Ihre Forschungsschwerpunkte liegen auf Traumatisierung bei Kindern und Jugendlichen, Wohlbefinden, posttraumatischem Wachstum sowie Resilienz im Sinne der Positiven Psychologie. Kultur versteht sie dabei als durchgängiges Querschnittsthema. Seit vielen Jahren beschäftigt Exenberger-Vanham die Frage, was Menschen aus Krisen nicht nur an Belastungen, sondern auch an positiven Entwicklungen mitnehmen können. Diese Perspektive prägt ihre Forschung ebenso wie ihre klinische Haltung: Veränderung ist möglich, nichts ist in Stein gemeißelt.

Internationale Forschungsprojekte begleiteten ihren wissenschaftlichen Weg früh. Nach Stationen in Antwerpen und der Übernahme des Managements mehrerer EU-Projekte erhielt sie ein Marie-Curie-Outgoing-Fellowship, das sie nach Indien führte. Dort untersuchte sie gemeinsam mit internationalen Partner:innen die langfristigen Folgen von Traumatisierungen bei Kindern nach dem Tsunami 2004. Diese kulturvergleichende Arbeit bildete auch die Grundlage für ihre Habilitation in Klinischer und Entwicklungspsychologie.

In den vergangenen Jahren stand insbesondere die psychische Gesundheit von Kindern im Kontext der Covid-19-Pandemie im Fokus ihrer Forschung. In mehreren durch das Land Tirol geförderten Projekten untersuchte Exenberger-Vanham mittel- und langfristige Auswirkungen der Pandemie auf Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren, darunter Symptome wie Angst und Depression, aber auch Aspekte von Resilienz und positiven Bewältigungsstrategien. Aktuell richtet sich der Blick verstärkt auf postpandemische Entwicklungen und die Förderung psychischer Widerstandsfähigkeit in Zeiten multipler Krisen.

Ein zentrales Anliegen Exenberger-Vanhams ist die stärkere Verankerung ressourcenorientierter Ansätze in der klinischen Praxis. In der Zusammenarbeit mit Kliniken setzt sie sich dafür ein, dass Befunde nicht ausschließlich Defizite beschreiben, sondern auch vorhandene Stärken sichtbar machen. „Nicht nur, was fehlt, ist relevant – sondern auch, was funktioniert“, ist ein leitender Gedanke ihrer Arbeit. Ziel ist eine ganzheitliche Sicht auf den Menschen, die Entwicklungspotenziale ebenso berücksichtigt wie Belastungen.

Neben Forschung und klinischer Tätigkeit ist Exenberger-Vanham intensiv in die Lehre eingebunden. Als Privatdozentin an der Universität Innsbruck und externe Lehrende an verschiedenen Universitäten bringt sie ihre Expertise in die Ausbildung zukünftiger Psychologinnen und Psychologen ein. An der KL wirkt sie an der Weiterentwicklung des Psychologie Mastercurriculums mit und betreut Studierende in Forschungs- und Abschlussarbeiten. Aktuell ist zudem die Besetzung einer Postdoc-Stelle geplant, um den Fachbereich weiter auszubauen.

Auch in Zukunft möchte Exenberger-Vanham ihre Forschung konsequent an gesellschaftlich relevanten Fragestellungen ausrichten. Themen wie Unsicherheit, Toleranz und Widerstandsfähigkeit in Zeiten multipler Krisen stehen dabei im Mittelpunkt. Ziel ist es, Strategien zu entwickeln, die Menschen, insbesondere Kinder, dabei unterstützen, mit Veränderung umzugehen und sich an neue Herausforderungen anzupassen. Die enge Vernetzung zwischen den Standorten Tirol und Krems sowie mit universitären Kliniken bildet dafür eine wichtige Grundlage.

Mit ihrer Arbeit verbindet Silvia Exenberger-Vanham klinische Psychologie, Positive Psychologie und kulturvergleichende Forschung zu einem Ansatz, der den Menschen nicht auf seine Belastungen reduziert, sondern seine Entwicklungs- und Bewältigungsmöglichkeiten in den Mittelpunkt stellt.