Montag, 11. Mai 2026

Sigmar Stricker, Regenerationsforscher

Stammzellen als Schlüssel zur gesunden Mobilität im Alter

Seit September 2025 ist Univ.-Prof. Dr. Sigmar Stricker an der Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) tätig und Leiter des neu etablierten Fachbereichs Zellbiologie. Nach etwa 25 Jahren in Berlin, wo er unter anderem als Group Leader und Professor für Biochemie und Genetik an der Freien Universität Berlin beschäftigt war, eröffnet ihm die KL die Chance, einen neuen Fachbereich aufzubauen und seine Forschung zum muskoskelettalen System und zu Stammzellen eng mit bestehenden Forschungsschwerpunkten  wie Allergologie und Immunologie der KL zu verknüpfen. 

Schon in seiner Kindheit war Sigmar Stricker von den Naturwissenschaften fasziniert - geweckt durch seinen Großvater, mit dem er erste Experimente im Chemielabor durchführte. Dieses frühe Staunen über chemische und biologische Prozesse mündete in ein bis heute anhaltendes Interesse an molekularer Genetik und der Frage, wie Gene Lebensprozesse steuern. Seinen akademischen Weg begann Stricker mit einem Biologiestudium an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, wo er auch seine Diplomarbeit absolvierte. Nach seiner Promotion 2002 in Molekularer Genetik an der Universität Potsdam arbeitete Stricker als Postdoc, danach als Group Leader am Max Planck Institut für Molekular Genetik. Daraufhin folgte 2010 die Habilitation und 2014 die Professur an der Freien Universität Berlin. Diese starke Verankerung in der Grundlagenforschung bildet das Fundament seiner heutigen Arbeit.

Im Zentrum von Strickers Forschung steht das muskuloskelettale System – also Muskeln, Knochen und Sehnen – und dessen Regeneration durch somatische Stammzellen. Diese Zellen sind essenziell, um Gewebe nach Verletzungen zu reparieren und die Funktion des Bewegungsapparats zu erhalten. Mit zunehmendem Alter jedoch verlieren sie an Leistungsfähigkeit: Muskelfasern werden schwächer, Knochen poröser, Mobilität geht verloren. Krankheiten wie Sarkopenie oder Osteoporose sind häufig die Folge. 

Stricker untersucht, wie diese Stammzellen gebildet und erhalten werden, und wie ihre molekulare Steuerung funktioniert. Ein besonderer Fokus liegt auf epigenetischen Programmen – also auf molekularen „Schaltern“, die bestimmen, welche Gene in Stammzellen aktiv sind. Diese Programme werden einerseits durch den Alterungsprozess beeinflusst, aber auch durch systemische Faktoren wie Ernährung, Stoffwechsel und das Immunsystem. Mithilfe moderner Omics-Technologien wie Transcriptomics und Proteomics sowie epigenetischen Analysen wie dem ChIP-Sequencing kann analysiert werden, wie Umwelt- und Lebensstileinflüsse, etwa eine ungünstige Ernährung in frühen Lebensphasen, langfristige epigenetische Veränderungen auslösen können. Damit soll herausgefunden werden, ob solche Veränderungen Stammzellen schon früh im Leben dauerhaft prägen und damit die Grundlage für spätere Erkrankungen legen.

Ein weiterer wichtiger Ausgangspunkt seiner Arbeit ist die Entwicklungsbiologie. Stricker erforscht, wie sich Muskel-, Bindegewebs- und Knorpelzellen während der embryonalen Entwicklung spezifizieren. Prozesse, die überraschend viele Parallelen zur Regeneration im erwachsenen Organismus aufweisen. Dieses Wissen nutzt er, um regenerative Mechanismen besser zu verstehen und in experimentellen Modellen nachzubilden. Dabei spielen insbesondere mesenchymale Stammzellen und Muskelstammzellen eine zentrale Rolle.

Auch in der Lehre legt Stricker großen Wert auf Grundlagenverständnis. In den Einführungsveranstaltungen zu Biochemie und Zellbiologie vermittelt er Studierenden, wie molekulare Mechanismen der Genregulation und Zellsteuerung funktionieren und warum sie in bestimmten Zellen unterschiedliche Effekte haben. Ziel ist es, nicht nur Fakten zu vermitteln, sondern die großen biologischen Prinzipien verständlich zu machen, die Gesundheit und Krankheit erklären.

Langfristig verfolgt Sigmar Stricker eine klare Vision: die „epigenetischen Lasten“ des muskuloskelettalen Systems über die Lebensspanne hinweg zu entschlüsseln und neue Ansätze zu entwickeln, um Alterungsprozesse gezielt zu modulieren. „Wir müssen verstehen, wie Ernährung, Immunsystem und Stammzellen gemeinsam die Gesundheit unseres Bewegungsapparats steuern“, beschreibt er seinen Ansatz. Dieses systemische Verständnis soll dazu beitragen, Mobilität und Lebensqualität bis ins hohe Alter zu erhalten – interdisziplinär, praxisnah und fest verankert in den Forschungsschwerpunkten der KL.

Univ.-Prof. Dr. Sigmar Stricker

Univ.-Prof. Dr. Sigmar Stricker

Leitung
Fachbereich Zellbiologie