Mittwoch, 18. Februar 2026

Markus Stock, Medizinphysiker

Wir bauen keine theoretischen Luftschlösser, sondern entwickeln Lösungen.

Univ.-Prof. PD DI Markus Stock, PhD leitet den Fachbereich Medizinphysik unter besonderer Berücksichtigung der Partikeltherapie an der Karl Landsteiner Privatuniversität. Als Forscher ist er sowohl an der Universität als auch im Partikeltherapie- und Forschungszentrum MedAustron in Wiener Neustadt tätig. Der Lehr- und Forschungsstandort der KL ist eines von sechs Zentren weltweit, das Strahlentherapie sowohl mit Protonen als auch mit Kohlenstoff-Ionen durchführen kann. Zusätzlich ist MedAustron eines von nur drei Zentren, die auch über einen dedizierten Forschungsbestrahlungsraum mit entsprechender Laboreinrichtungen verfügen. Prof. Stock gibt Einblicke in einen Job zwischen hochpräziser Technik und der Arbeit mit Patient:innen.

Markus Stocks beruflicher Weg ist von der Suche nach Sinn an der Schnittstelle zwischen Technik, Naturwissenschaft und Humanität geprägt. Nach dem Besuch einer technisch orientierten Schule, die er zwar als herausfordernd und prägend, aber zunächst auch als ernüchternd empfand, war sein erster Impuls, künftig nicht im technischen Bereich arbeiten zu wollen. Der anschließende Zivildienst beim Tiroler Roten Kreuz eröffnete ihm jedoch neue Perspektiven: Humanitäre Werte, Zeit zum Nachdenken und der direkte Kontakt mit Menschen ließen in ihm den Wunsch entstehen, Technik nicht um ihrer selbst willen, sondern angewandt einzusetzen. „Diese Überzeugung führte mich schließlich doch zu einem technischen Studium – zur Physik, allerdings mit einem klaren humanitären Fokus. Während des Studiums arbeitete ich parallel als Servicetechniker in Medizintechnikfirmen. Diese praktische Tätigkeit bestärkte mich nachhaltig darin, Physik dort einzusetzen, wo sie unmittelbar dem Menschen dient“, schildert Prof. Stock, der seit Oktober 2022 den KL Fachbereich Medizinphysik unter besonderer Berücksichtigung der Partikeltherapie leitet. Ein weiterer entscheidender Schritt war seine Masterarbeit an der Medizinischen Universität Wien im Bereich der Strahlentherapie, im Zuge derer für Stock deutlich wurde, wie physikalisches Wissen direkt am Patienten wirksam wird und welchen Sinn diese Arbeit stiftet.

Nach mehreren Jahren an der MedUni Wien wechselt er nach rund zehn Jahren ins MedAustron, einem Krebsbehandlungs- und Forschungszentrum. Dort ist er sei 2014 maßgeblich am Aufbau des Zentrums beteiligt – ein Schritt, der einem Sprung ins kalte Wasser gleichkam. „Rückblickend hätte ich die Bedeutung dieser Herausforderung mit dem heutigen Wissen noch deutlicher gesehen: der Aufbau eines hochkomplexen, international einzigartigen Zentrums, der Übergang vom Forschungsbetrieb in den klinischen Alltag, der Schichtbetrieb rund um die Uhr und die gleichzeitige Weiterentwicklung der Anlage.“ Nach mehreren Jahren, in denen organisatorische und klinische Aufgaben dominierten, kehrte der Wissenschaftler im Jahr 2022 mit einer Stiftungsprofessur auch an die Universität zurück, um seine Forschungstätigkeit – insbesondere im Bereich der Teilchenphysik und Teilchentherapie – weiter zu vertiefen und universitär zu verankern.

„Unser Forschungsfokus liegt in der Medizinphysik mit Schwerpunkt Partikeltherapie. Dieses Feld ist hochspezialisiert und weltweit nur an wenigen Zentren zugänglich – ein Umstand, der es zugleich herausfordernd und faszinierend macht. Ich sehe es als Privileg, an dieser Schnittstelle zu arbeiten: einerseits die Vorteile dieser Therapieform wissenschaftlich evidenzbasiert aufzuzeigen, andererseits aktiv an ihrer Weiterentwicklung mitzuwirken, um sie wirksamer, sicherer und für mehr Patient:innen verfügbar zu machen.“

Brückenbauer zwischen Disziplinen
Als Wissenschaftler arbeitet Markus Stock stark evidenzbasiert. „Entscheidungen müssen auf Fakten beruhen, Ergebnisse objektiv dargestellt werden – auch dann, wenn sie den eigenen Erwartungen widersprechen. Offenheit gegenüber neuen Erkenntnissen und die Bereitschaft zur Neuorientierung sind für mich zentrale Voraussetzungen wissenschaftlicher Arbeit, insbesondere in einem klinisch relevanten Feld wie der Strahlentherapie. Mein Team und ich bringen vor allem eine besondere Stärke mit: das Brückenbauen zwischen Disziplinen. Als Medizinphysiker:innen müssen wir sowohl die Sprache der Physik als auch jene der Medizin beherrschen und diese Welten miteinander übersetzen – für Ärzt:innen ebenso wie für hochkomplexe technische Systeme. Unser internationales Team vereint Expert:innen aus 18 Nationen. Gemeinsam verfolgen wir einen klar praxisorientierten Ansatz: Wir bauen keine theoretischen Luftschlösser, sondern entwickeln Lösungen, die tatsächlich im klinischen Alltag funktionieren.“

Studierende werden frühzeitig in die Arbeit eingebunden. Über Praktika, Volontariate und kleinere Projekte lernen wir einander kennen. Viele dieser Wege führen weiter zu Bachelor-, Master- oder Doktorarbeiten und schließlich ins Team. Der enge Praxisbezug ist dabei zentral. Aktuell beschäftigen sich die Forschungsprojekte vor allem mit der weiteren Evidenzabsicherung und Optimierung der Partikeltherapie. Ziel ist es, mehr Patient:innen sowie zusätzliche Indikationen zu erreichen und die Therapie noch gezielter und schonender zu gestalten. „Dazu zählen unter anderem Arbeiten zur Kohlenstoffionentherapie, zur Immunmodulation im Tumorareal sowie der Einsatz künstlicher Intelligenz zur Automatisierung und Qualitätssicherung. Ein besonderer Fokus liegt auf pädiatrischen Patient:innen sowie auf Patient:innen mit Tumoren im Kopf-Hals- und Abdomenbereich, da hier die Vorteile der Teilchentherapie – insbesondere die geringere Belastung des gesunden Gewebes und das reduzierte Risiko von Spätfolgen – besonders zum Tragen kommen“, schildert der Forscher.

Ausbau der internationalen Sichtbarkeit
Für die Zukunft sieht Markus Stock vor allem im Bereich der KI-gestützten, adaptiven Therapieplanung großes Potenzial. „Automatisierung kann helfen, Abläufe zu beschleunigen, die individuelle Anpassung an anatomische Veränderungen – etwa durch Atmung – zu verbessern und so mehr Menschen Zugang zu dieser Therapieform zu ermöglichen. Österreich nimmt hier mit MedAustron eine international sichtbare, aber weiter ausbaufähige Position ein.“ 

Ausgleich findet er vor allem in seiner Familie. „Meine drei Kinder und meine Frau begleiten und unterstützen mich seit Beginn meines beruflichen Weges und helfen mir, Stress zu relativieren. Spaziergänge in der Natur und ruhige Momente abseits des Arbeitsalltags geben mir die nötige Balance. Beruflich sehe ich mich angekommen – in einem Feld, das technologisch an der Spitze steht, Vorbildwirkung hat und dennoch weiter wachsen muss und kann.“