Impulse für die Zukunft: Nachbericht zur 1st Lower Austrian Conference on Cancer Research
Am 13. November 2025 fand auf Initiative von Univ.-Prof. Mag. DDr. Klaus Podar, Karl Landsteiner Privatuniversität (KL) und unter der Schirmherrschaft der ecoplus GmbH Plattform für Gesundheitstechnologie erstmals die „Lower Austrian Conference on Cancer Research (LACCR) an der KL Krems statt.
Die Konferenz brachte führende Wissenschaftler:innen und Expert:innen aus den Bereichen der experimentelle Onkologie, Hämatologie, Strahlentherapie und der Künstliche Intelligenz zusammen, um neueste Forschungsergebnisse und innovative Ansätze in der Krebsforschung zu präsentieren und zu diskutieren sowie die Bedeutung von Vernetzung zwischen Wissenschaft, Gesundheitswesen und Industrie in den Fokus zu setzen.
Eröffnung und politisch-wissenschaftliche Akzente
Die Konferenz startete mit einer feierlichen Begrüßung durch Prof. Klaus Podar, dem Ideengeber und wissenschaftlichen Organisator der 1st LACCR, Leiter des Fachbereichs für Molekulare Onkologie und Hämatologie an der KL und OA am Uniklinikum Krems. „Die Konferenz bietet eine hervorragende Plattform, um aktuelle präklinische Forschung in Onkologie, Hämatologie, und künstlicher Intelligenz zusammenzubringen, den Austausch unter Forschenden zu fördern und die exzellente Arbeit des wissenschaftlichen Nachwuchses sichtbar zu machen, letztendlich zum Vorteil von Tumorpatient:innen“, betonte Prof. Podar.
Anschließend richteten DI Claus Zeppelzauer, Geschäftsführer der ecoplus GmbH sowie Univ.-Prof. Dr. Rudolf Mallinger, Rektor der KL, ihre Grußworte an die Teilnehmenden. Die Eröffnung verdeutlichte die starke institutionelle Unterstützung für das Ziel, in Niederösterreich ein leistungsfähiges translationales Onkologie-Ökosystem aufzubauen.
Session I: Oncology – Fokus auf Präzisionsmedizin und innovative Therapiekonzepte
Die erste wissenschaftliche Session, geleitet von Univ.-Prof. Dr. Franz Trautinger, Leiter der Klinischen Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Universitätsklinikum St. Pölten, widmete sich aktuellen Entwicklungen in der Onkologie.
Den Auftakt bildete die Keynote Lecture von Univ.-Prof. Mag. Dr. Walter Berger, Leiter des Krebsforschungszentrums an der Medizinische Universität Wien (MUW), zum Thema „Current Hot Topics in Precision Oncology“. Der Vortrag bot eine kompakte, praxisorientierte Übersicht zu aktuellen Fortschritten in der Präzisionsmedizin und zeigte auf, wie gezielte molekulare Therapien zunehmend das Behandlungsspektrum erweitern.
Im Anschluss folgten drei hochkarätige wissenschaftliche Kurzvorträge: In seinem Vortrag „Biosensors in the Diagnosis and Monitoring of Lung Cancer“ erörterte Dr. Juan Allegretto (Danube Private University/ dpu) neue Anwendungsmöglichkeiten biosensorbasierter Technologien für Diagnostik und Therapieverlaufskontrolle bei Lungenkrebs.
Ass. Prof. Dr.Dea Sade (Max Perutz Labs, Vienna Biocenter Campus; Center for Medical Biochemistry, MUW; MedAustron Ion Therapy Center) stellte in ihrem Vortrag „Induction of anti-tumor immune response by combining radiotherapy with PARP7 inhibitors for pancreatic cancer therapy“ einen innovativen kombinatorischen Ansatz vor, der Radiotherapie und PARP7-Inhibition verknüpft, um Immunantworten beim Pankreaskarzinom zu verstärken.
„Hypoxia, reoxygenation and their relation to patient outcome following radio (chemo) therapy“ lautete der Titel des Vortrags von Univ.-Prof. Dr. Piero Fossati (KL und MedAustron Ion Therapy Center), in dem er den Einfluss von Sauerstoffverfügbarkeit und Reoxygenationsprozessen auf Therapieergebnisse in der Strahlen- und Radiochemotherapie beleuchtete.
Im Anschluss wurde das Mission Cancer Programme durch Dr. Ines Haberl (Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft, FFG) vorgestellt.
Session II: KI und Machine Learning in Oncology & Hematology
Die zweite Session um 13:30 Uhr, geleitet von Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Ramona Woitek, PhD (Danube Private University/ dpu), rückte digitale Technologien in den Mittelpunkt. In ihrer Keynote Lecture referierten Prof. Woitek, Leiterin der Research Group MIAAI (Medical Image Analysis & Artificial Intelligence) an der dpu und FH-Prof. Dipl.-Ing. Mag. Marlies Temper, Bakk., Studiengangsleiterin Data Science und stellvertretende Departmentleiterin der Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten (USTP) über das hochaktuelle Thema „AI in Oncology / Hematology: Risks and Opportunities“, worin sie die Chancen der künstlichen Intelligenz für Diagnostik, Therapieplanung und Forschung beleuchteten.
Die folgenden Fachvorträge boten breite Einblicke in KI-Anwendungen:
FH-Prof. Dipl.-Ing. Dr. Martin Pirker, Bakk. (Institute of IT Security Research, Department of Computer Science and Security, USTP) zeigte in seinem Vortrag „Strategies for AI-enhanced Applications of the Onkologisches Informationssystem“ auf, wie intelligente Algorithmen das bestehende Onkologische Informationssystem (OIS) gezielt unterstützen können.
Ass.-Prof. Priv.-Doz. Amirreza Mahbod, MSc. MSc. PhD (MIAAI, dpu) sprach zum Thema „AI for Digital Pathology in Cancer Research“, worin er aufzeigte, wie KI-gestützte Modelle die Präzision und Effizienz in der digitalen Pathologie steigern können.
Der Vortrag „KI for the Reduction of Contrast Medium in Cancer Patients“ von Ass.-Prof. Dr. Erich Kobler, Forschender und Lehrender am Institut für Machine Learning an der Johannes Kepler Universität (JKU), widmete sich einem besonders praxisrelevanten und patientenorientierten Einsatzfeld künstlicher Intelligenz.
Session III: Hematology
In der 3. Session, moderiert von Prof. Podar (KL), stand die Hämatologie im Mittelpunkt. Den Auftakt der „Oral sessions“ bildete Dr. Agnieszka Witalisz-Siepracka, PhD (Department Pharmacology, KL) mit ihrem Vortrag „NK cells as potential players in mutant- calreticulin MPN“, in dem sie Einblicke in die potenzielle Rolle von NK-Zellen bei Calreticulin-mutierten myeloproliferativen Neoplasien gab. Anschließend präsentierte Dr. Osman Aksoy (Department Molecuar Oncology and Hematology, KL) unter dem Titel „On the pathophysiologic role of CDK9 in Multiple Myeloma: Therapeutic implications“ neue Erkenntnisse zur pathophysiologischen Bedeutung von CDK9 im Multiplen Myelom und deren therapeutischen Konsequenzen.
FH-Prof. DI Dr. Franz Herzog (IMC – Hochschule für Angewandte Wissenschaften Krems) zeigte in seinem Beitrag „Biomedical Mass Spectometry in Cancer Research“ die wachsende Bedeutung der biomedizinischen Massenspektrometrie für die Krebsforschung auf, bevor Univ.-Prof. Dr. med. univ. Klaus Geissler (KH Mistelbach; Sigmund Freud University Vienna, SFU) in seinem Beitrag „Chronic myelomonocytic leukemia: New research results“ abschließend aktuelle Forschungsergebnisse zur chronischen myelomonozytären Leukämie (CMML) vorstellte.
Forschung sichtbar gemacht: Die Poster der 1st LACCR
Im Anschluss an die Konferenzbeiträge folgten Posterpräsentationen, die den Wissenschafter:innen die Möglichkeit boten, ihre Arbeiten einem interessierten Fachpublikum zu präsentieren, wertvolle Rückmeldungen zu erhalten und in vertiefende Diskussionen einzutreten.
Die Beiträge waren drei thematischen Bereichen zugeordnet:
- Hämatologie (geleitet von Clin. Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Singer Josef, PhD, MBA, Leiter der Abteilung Innere Medizin 2 am Universitätsklinikum Krems und Univ.-Prof. Priv.-Doz. MMag.a Dr. Dagmar Stoiber-Sakaguchi, Leiterin des Fachbereichs Pharmakologie, KL), wo neue molekulare Erkenntnisse, präklinische Modelle und klinisch relevante Analysen diskutiert wurden,
- Onkologie (geleitet von OÄ Priv.-Doz. Dr. Christine Hafner, Klinischen Abteilung für Haut- und Geschlechtskrankheiten am Universitätsklinikum St. Pölten und OÄ Priv.-Doz. Dr. Dott. Sonia Vallet, Abteilung Innere Medizin 2 am Universitätsklinikum Krems und Fachbereich für Molekulare Onkologie und Hämatologie, KL), mit einem breiten Spektrum an translationalen und klinischen Studien,
- Artificial Intelligence/ AI (geleitet von Ass.-Prof. Priv.-Doz. Amirreza Mahbod, MSc, MSc, PhD (MIAAI, dpu)), in der innovativen Anwendung künstlicher Intelligenz für Diagnostik, Bildanalyse und Entscheidungsunterstützung im Fokus standen.
Im Rahmen der Award Ceremony wurden zudem die besten Beiträge aus den drei Kategorien Onkologie, AI, und Hämatologie gewürdigt:
In der Kategorie Onkologie überzeugte Theresa Harm für ihre klar strukturierte, wissenschaftlich fundierte Arbeit. Dieser Preis wurde vom Land Niederösterreich gestiftet.
In der Kategorie Artificial Intelligence wurde Palate Honda für ihren Beitrag zu innovativen Ansätzen im Bereich AI-gestützter Analyse- und Diagnosetools ausgezeichnet – dieser Preis wurde von der ecoplus GmbH vergeben.
In der Kategorie Hämatologie ging der Preis an Rajeshwari Meli, die mit präziser Methodik und relevanten Erkenntnissen zur Weiterentwicklung hämatologischer Forschung beitrug. Der Preis in dieser Kategorie wurde von der KL gestiftet.
Die Auszeichnungen unterstrichen die hohe Qualität der Beiträge sowie das beeindruckende Engagement des wissenschaftlichen Nachwuchses.
Wo Forschung Zukunft gestaltet: Fazit der 1st LACCR
Die 1st Lower Austrian Conference on Cancer Research erfüllte ihren Anspruch, eine neue zentrale Plattform für präklinische onkologische Forschung und Innovation in Niederösterreich zu schaffen. Die Kombination aus wissenschaftlicher Exzellenz, interdisziplinärem Austausch und strategischer Vernetzung zeigt deutlich: Dieses neue Format hat das Potenzial, sich als jährlich wiederkehrendes Highlight für Forschende aus Niederösterreich und darüber hinaus zu etablieren.
Ein zentrales Anliegen der Konferenz war es, den Aufbau eines starken translationalen Onkologie-Systems in Niederösterreich weiter voranzutreiben. Im Fokus stand die enge Vernetzung der wissenschaftlichen Aktivitäten der KL mit den Kompetenzen regionaler Partnerinstitutionen, darunter die mit der KL verbundenen Universitätskliniken in Krems und St. Pölten, MedAustron, IMC Krems – University of Applied Sciences, die University of Applied Sciences St. Pölten sowie die Danube Private University. Auch nationale und internationale Kooperationen sollen künftig eine noch größere Rolle spielen, um Niederösterreich als Innovationsstandort in der Onkologie nachhaltig zu stärken.