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David Willinger, Neurowissenschaftler: Der neurowissenschaftliche Blick auf die Psyche

Willinger David

Forschende im Porträt

In David Willinger wohnen zwei Seelen: Die des kognitiven Neurowissenschaftlers, der zu verstehen versucht, wie psychologische Prozesse im Gehirn repräsentiert und implementiert sind, und die eines Informatikers und Ingenieurs, der neue Werkzeuge und formale Beschreibungen dafür sucht. Beide Kompetenzen helfen ihm als Forscher am Department für psychologische Methodenlehre an der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften sehr, neugierig zu bleiben und fachübergreifend zu denken.
Blickt er auf seine berufliche Laufbahn zurück, so war ein Praktikum während des Studiums im MR-Zentrum an der Medizinischen Universität Wien sehr prägend, schildert der Wissenschaftler: „Dort habe ich erste Erfahrungen mit der Durchführung einer wissenschaftlichen MRT-Studie gemacht. Diese Entscheidung war später die Grundlage dafür, eine berufliche Laufbahn und Forschungsstelle in der Bildgebung und Modellierung im medizinisch/psychologischen Bereich anzustreben. Danach hat meine Arbeit in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Forschungsgruppen in Zürich maßgeblich mein heutiges Forschungsinteresse in der Kognitions- und Neurowissenschaft mit klinischem Schwerpunkt geprägt.“ Durch das Studium Cognitive Science an der Universität Wien sowie jenes der Medizininformatik an der TU Wien war ihm ein interdisziplinärer Blick in der psychologischen Forschung schon immer ein großes Anliegen, aber auch eine wichtige Ressource. „Die Sichtweisen der verschiedenen Disziplinen auf die Betrachtung desselben Phänomens, etwa die Untersuchung der Auswirkungen psychischer Störungen aus neurobiologischer, psychologischer oder sozialer Sicht, empfinde ich für das Verständnis sehr bereichernd.“
Für David Willinger gibt es mehrere Aspekte, warum er sich der Forschungsarbeit am Department Psychologische Methodenlehre an der KL verschrieben hat. Zum einen die Möglichkeit der Mitentwicklung in Lehre und Wissenschaft mit verschiedenen Partnerkliniken und hohem Synergiepotential, zum anderen die Themen, die im Department aufgegriffen und von hoher aktueller Relevanz sind. So wie etwa die Entwicklung von Forschungstools auf Smartphones und Wearables zur Erhebung von umfassenden Stichproben, verbesserte Replizierbarkeit durch wiederholte Messungen oder eine breitere Phänotypisierung in der Psychologie. Aber auch die Translation der Resultate in die Applikation für Trainings oder Therapien. „Unsere Fragestellungen bewegen sich an der Schnittstelle zwischen Grundlagen- und Methodenforschung sowie konkreten Anwendungen und fokussieren auf neue Technologien und deren Einsatz zur Verbesserung der psychologischen Forschung. Die Entwicklung des PhD-Programms Neuroscience and Mental Health an der KL hat dabei ebenfalls viel Potential“, schildert David Willinger.
Sein Antrieb als Wissenschaftler ist vor allem die Neugier und das Interesse an herausfordernden Aufgaben, die lösungsorientiertes Arbeiten verlangen. „Dazu gehört es auch, meine eigenen Annahmen und mein Wissen regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen – vermutlich ein Mitgrund, warum ich in der Forschung statt in der IT gelandet bin.“
Für die Zukunft wünscht sich der Experte eine höhere Sensibilität beim Verständnis von Körper-und-Geist-Interaktionen – für klinische Fragestellungen, aber auch für die Erforschung von Zusammenhängen zwischen Verhalten und Emotionen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat noch einmal verdeutlicht, wie wichtig die mentale Gesundheit – vor allem von Kindern und Jugendlichen– ist. In vielen Fällen sei man hier aber noch weit weg von einer schnellen, effektiven Behandlung der Symptome. Das Wissen der Neurowissenschaft kann dazu wichtige Hinweise für die klinische Praxis liefern, genauso wie der interdisziplinäre Blick für ein besseres Verständnis von Störungen. „Über kognitive Verhaltensweisen von Patient_innen versuchen wir in Experimenten wichtige Verhaltensparameter abzuleiten und Schlüsse daraus zu ziehen, welchem Störungsbild sie entsprechen. Für die Forschung mit (psychiatrischen) Patient_innen ist es eine große Herausforderung, geeignete und sensitive Methoden zu entwickeln, um passende Prädiktionen erstellen zu können, die auch klinisch relevant sind. Beispielsweise welche Medikation oder Therapie anhand des kognitiven oder digitalen Phänotyps konkret erfolgreich wäre. Die Entwicklung dieser Methoden mit Hilfe neuer Technologien könnte dem klinischen Alltag und letzten Endes den Betroffenen sehr helfen.“

Link: Webseite des Fachbereichs Psychologische Methodenlehre
Text: Christina Badelt

 

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