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COVID-19: Prävention und Umgang in Primärversorgungspraxen

Testung

Testung in der Hausarztpraxis - Kurzüberblick

Die Möglichkeit zur raschen Diagnostik der Covid-Erkrankung  in der hausärztlichen Praxis mittels Antigentest ist zu einem wichtigen Instrument geworden. 

Antigentests sind, so wie auch PCR-Tests, immer Momentaufnahmen. Ein negatives Testergebnis gilt, in Zusammenschau mit der Klinik, für den Tag der Testung.  Eine zum Testungszeitpunkt zwar infizierte, aber noch gering oder gar nicht infektiöse Person kann am nächsten Tag bereits infektiös sein. Das gilt insbesondere für Personen ohne Symptome, also in der präsymptomatischen Phase. Auch Geimpfte können, aufgrund der rascheren Abnahme des Viral loads (gleich hohe Viruslast bei Infektion, aber kürzere Transmissionsfähigkeit bei einer rascher einsetzenden Immunantwort) schon nach kurzer Zeit wieder falsch negative AG-Schnelltests haben - im Gegensatz dazu ist die PCR-Testung dann positiv. Eine genaue Anamnese bez. Symptombeginn und Charkateristik ist daher wichtig, im Verdachtsfall die Ergebnisüberprüfung mittels PCR immer sinnvoll.

Die Abstrichabnahme bei Antigentests ist einfach und erfolgt gleich wie bei der PCR (vorzugsweise nasopharyngeal , SchutzausrüstungFFP-2 oder FFP-3 Maske, Brille oder Visier, Handschuhe, Kittel oder Mantel)
Der Vorteil: Das Ergebnis liegt schon nach 15 min vor erleichtert die Entscheidung über das weitere Prozedere.

Zu Aussagekraft und Interpretation von Tests

Zu Aussagekraft und Interpretation von Tests


Wenn die Krankheit (noch) wenig verbreitet ist, und wenn zusätzlich noch keine Symptome vorhanden sind, ist die Wahrscheinlichkeit von falsch positiven Ergebnissen relativ hoch, und auch falsch negative Ergebnisse sind möglich -  es sei denn Sensitivität und Spezifität des Test betragen 100%. Beim derzeit gebräuchlichen PCR-Test liegen sie bei etwa 99%. Die derzeit verfügbaren Antigentests haben eine beträchtliche Schwankungsbreite, die firmenseitigen Angaben zu Sensitivität und Spezifität entsprechen nicht immer den veränderten Anforderungen in der praktischen, breiten Anwendung. Bei hoher Infektiosität (niedrige CT-Werte)  ist bei den derzeit breit verwendeten Schnelltests jedoch eine ausreichend gute Zuverlässigkeit gegeben.

Tests zur Anwendung zuhause („Wohnzimmertests“): Zu Sensitivität und Spezifität liegen uns keine zuverlässigen Validierungen vor. Sie haben eingeschränkte Gültigkeit, und dienen ausschließlich der Selbstkontrolle. 

 
 
Ein negatives Testergebnis ist bei erhöhter Vortestwahrscheinlichkeit (Kontakt, Risikoverhalten, Symptome – auch wenn diskret) nicht als gültig zu werten!
 

 

Aus: BMSGKP – Antigentests im Rahmen der österreichischen Teststrategie (LINK)- (für die Berechnungen wurden für die Sensitivität ein Wert von 80 % und für die Spezifität ein Wert von 97 % angenommen, Dokumentenversion 03.12.2020)

 

Wie hoch ist die klinische Einschätzung vor dem AG-Schnelltest, dass eine COVID-19 Erkrankung vorliegt? (Vortestwahrscheinlichkeit)

Wahrscheinlichkeit richtig positiv, falls AG-Schnelltest positiv

Wahrscheinlichkeit richtig negativ, falls AG-Schnelltest negativ

1 % (d.h. jeder hundertste Person ist tatsächlich infiziert)

25 %

> 99 %

5 % d.h. jeder zwanzigste Person ist tatsächlich infiziert)

57 %

98 %

10 % d.h. jede zehnte Person ist tatsächlich infiziert)

72 %

97 %

25 % d.h. jede vierte Person ist tatsächlich infiziert)

90 %

93 %

50 % d.h. jede zweite Person ist tatsächlich infiziert)

97 %[m1]

83      

 

  • Falsch negative Tests sind auch bei Mängeln in der Präanalytik möglich: z.B. fehlerhafte Abstrichentnahme oder Fehler bei Transport und Lagerung.
  • Informationen über Messqualität und Ringversuche der Covid-19- PCR (inkl. Ct-Wert) finden sich auch auf der Seite der ÖGLMKC.
  • Eine gute Hilfestellung zur Interpretation von AG-Testergebnissen bietet der Test-Ergebnisse Rechner des BMJ

Vorgehen nach Testergebnis 

Positives Ergebnis: Die Patient_innen sind zu informieren und erhalten die Aufforderung, sich entsprechend der seit April 2022 gülitigen Verkehrsbeschränkungen zu verhalten (siehe: Quarantänebestimmungen). Geeignetes Monitoring und symptomatische Behandlung werden eingeleitet. Zudem erfolgt Meldung an die Behörde. 

Negatives Ergebnis: Personen mit höherer Infektiosität werden von den meisten gebräuchlichen Tests ziemlich sicher erkannt.  Falsch negative Befunde sind (je nach Sensitivität des verwendeten Tests) möglich, vor allem in der frühen und der späten Erkrankungsphase mit geringerer Infektiosität ist die Sensitivität der Tests schlechter. Aber es gilt auch: je höher die Vortestwahrscheinlichkeit (Kontakt mit Erkranktem, anders nicht zuordenbare typische Symptomatik), desto weniger wahrscheinlich wird ein negatives Ergebnis. Ein negatives Ergebnis, das klinisch nicht plausibel erscheint, sollte mittels PCR überprüft werden. SARS-negative Personen mit Symptomen werden nach guter medizinischer Praxis weiter abgeklärt und behandelt. 

Die jeweils aktuellen Empfehlungen zur Testung auf Infektion mit SARS-CoV-2 finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums unter den Fachinformationen.

Die Indikation zur Testung: ist sehr niedrigschwellig! Die Symptomatik ist, vor allem zu Erkrankungsbeginn, meist unspezifisch, und oft diskret. Glieder- und Kopfschmerzen werden häufiger berichtet, als Husten oder gar Fieber! Geschmacks-/Geruchsverlust ist zwar typisch, ein Fehlen ist aber kein Ausschlusskriterium.  Ein klinischer Ausschluss ist nicht möglich.  Gerade frühe Fälle sollten unbedingt erkannt werden: Menschen mit geringer Symptomatik bewegen sich in der Gesellschaft, da sie sich nicht/kaum krank fühlen. 

 

Grundsätzliche Anmerkungen zur Testzuverlässigkeit (AG+PCR)

Sensitivität: Die Sensitivität eines Tests beschreibt den Anteil der Patientinnen und Patienten mit einer Infektion, die durch den Test richtig erkannt werden und ein positives Testergebnis erhalten. Die Sensitivität wird meist in % angegeben. Eine Sensitivität von 80 % bedeutet, dass 80 % der tatsächlich infizierten Personen als „positiv“ werden.

Spezifität: Die Spezifität eines Tests beschreibt den Anteil der Patientinnen und Patienten ohne Infektion, die durch den Test richtig erkannt werden und ein negatives Testergebnis erhalten. Die Spezifität wird ebenso in % angegeben. Eine Spezifität von 99 % bedeutet, dass 99 % der nicht-infizierten Personen als „negativ“ erkannt werden.

Vortestwahrscheinlichkeit: Der Anteil der tatsächlich richtig erkannten Personen hängt wesentlich von der Vortestwahrscheinlichkeit ab: also von der Wahrscheinlichkeit eines Kontakts mit dem Erreger, und damit der Verbreitung der Infektion in der Bevölkerung.  Das Vorliegen von Symptomen, die zu der Erkrankung passen, erhöht die Vortestwahrscheinlichkeit stark.

 

AG-Schnelltests

Charakteristika

Antigentests sind am Ort der Versorgung unkompliziert durchführbar, das Ergebnis liegt innerhalb von 15 – 20 min vor.  Sie sind im Vergleich zu PCR-Tests etwas weniger zuverlässig, vor allem im Bereich der niedrigen Infektiosität (zu Beginn und gegen Ende der aktiven Erkrankung). Im Unterschied zu PCR-Tests wird bei Antigen-Tests nicht das Erbgut des Virus nachgewiesen, sondern dessen Protein bzw. Proteinhülle.

Antigentests sind, so wie auch PCR-Tests, immer Momentaufnahmen.  Ein negatives Testergebnis gilt, in Zusammenschau mit der Klinik, für den Tag der Testung.  Eine zum Testungszeitpunkt zwar infizierte, aber noch gering oder gar nicht infektiöse Person kann am nächsten Tag bereits infektiös sein.  Das gilt insbesondere für Personen ohne Symptome, also in der präsymptomatischen Phase.

Einsatzgebiete

  1. Personen mit klinischen Hinweisen auf viralen Infekt: durch hausärztliche Praxen (honoriert durch die Krankenkassen),  auch: Spitalsambulanzen, Pflegeheime, Schulen etc.
  2. Asymptomatische Personen im Rahmen von Ausbruchsmanagement, Testungen von engen Kontaktpersonen und in Screeningprogrammen bei beruflich besonders exponiertem Personal (v.a. in Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen): durch Behörde und in Screeningprogrammen.   S. dazu Bevölkerungsweite SARS-CoV-2 Antigen-Schnelltests

Bitten Sie den Patienten, seine Nase in ein Taschentuch zu schnäuzen, um überschüssiges Sekret aus den Nasengängen zu entfernen (Taschentuch sofort in Abwurf, Patient soll Hände desinfizieren).

Neigen Sie den Kopf des Patienten leicht zurück, so dass die Nasengänge besser zugänglich sind. Bitten Sie den Patienten, die Augen zu schließen, um das leichte Unbehagen infolge der Prozedur zu verringern.

Führen Sie den Abstrich-Tupfer knapp über dem Boden der Nasengänge vorsichtig an der Nasenscheidewand entlang in den Nasenrachen, bis Sie Widerstand spüren.

Drehen Sie den Tupfer 10 bis 15 Sekunden lang sanft gegen die Schleimhaut des Nasenrachens. Ziehen Sie den Tupfer vorsichtig heraus und legen Sie ihn in das vorgesehene Behältnis
.
Schutzausrüstung: FFP-2 oder FFP-3 Maske, Brille oder Visier, Handschuhe, Kittel oder Mantel.

PCR-Tests

Charakteristika

Die PCR (Polymerase-Ketten-Reaktion) wird ist eine Labormethode zur Untersuchung der molekularen Feinstruktur der Erbsubstanz. Damit kann man im Fall von COVID Infektion Virus DNA (Desoxyribonukleinsäure) nachweisen. Die Zuverlässigkeit ist höher, da auch während der Phasen geringerer Infektiosität Erbgut des Virus nachweisbar ist.

Ct-Wert

Der Ct-Wert ist im Rahmen eines PCR Wertes eine Möglichkeit, die Viruslast und damit die Übertragbarkeit der Infektion zu beurteilen. Ein Ct-Wert > als 30 deutet auf eine geringe Virusaktivität und < 30 auf eine hohe Virusaktivität hin.  Da der PCR Test über längere Zeit positiv sein kann, ist der Ct-Wert ein  Anhaltspunkt für die Entscheidung der Behörde, um über die Aufhebung  der Quarantäne zu entscheiden. s. auch Infektiosität und Testung 

Auch die Richtigkeit des Ct-Werts ist immer in Kontext mit Erkrankungsbeginn, Qualität der Probennahme und weiteren Faktoren zu sehen. 

Anmerkung: von der Durchführung von Gurgeltests in der Ordination wird abgeraten: Gurgeln ist ein Aerosol produzierender Vorgang. 
Eine alternative Probengewinnung (verdünnte Speichelprobe nach z.B. 5ml NaCL-Mundspülung) wird als möglich angenommen, die Daten zur Validierung fehlen auch hier (noch). 

weiterführende Literatur 

Liste der Emergency Use Authorizations der FDA: https://www.fda.gov/medical-devices/coronavirus-disease-2019-covid-19-emergency-use-authorizations-medical-devices/vitro-diagnostics-euas

Antikörpertestung (indirekter Virusnachweis)

Antikörpertests sind für die Individualdiagnostik akuter Infektionen nicht geeignet

Antikörpertests weisen serologisch gegen SARS-CoV-2 gebildete Antikörper nach, die im Rahmen der Immunantwort gebildet werden. Positive Resultate finden sich meist erst ab Tag 12 nach Infektion.

Detaillierte Übersicht über Neutralisationstest und Surrogattests


Was dies für den allgemeinmedizinischen Alltag und die Impfung bedeutet, finden Sie HIER 
 

 

Teststrategien

Seit April 2022 werden drei verschiedene Teststrategien verfolgt:

  • Symptomatische Personen: Tests bleiben wie zuvor kostenlos und unbeschränkt verfügbar
  • Vulnerable Settings: in diesen Bereichen stehen für Bewohner_innen, Besucher_innen, Mitarbeiter_innen und Begleitpersonen sowie externe Dienstleister weiterhin unbeschränkt und kostenlos Tests zur Verfügung.
  • Tests der breiten Bevölkerung ("Massentestungen"): Für jede_n Bürger_in stehen pro Monat nun fünf kostenlose PCR- sowie fünf kostenlose Antigen-Tests zur Verfügung.

Für weitere Informationen verweisen wir auf die Homepage des Sozialministeriums: Teststrategie

 

Metadaten:
Autorin: Rabady
Review Diagnostik: Wendler
Review Testung: Univ.-Prof.Dr.Franz Allerberger, Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch
letztes Update 10.08.2022

Events

  1. 06 Dez

    Antrittsvorlesung von Gerald Obermair - Professor für Physiologie

    06. Dezember 2022, 18:00 - 20:00
    Karl Landsteiner Privatuniversität, Trakt Y, Auditorium
  2. 10 Jan

    STUDENT TALK Medizin

    10. Januar 2023, 18:00 - 18:30
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  3. 24 Jan

    INFO TALK Medizin

    24. Januar 2023, 18:00 - 19:00
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