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COVID-19: Prävention und Umgang in Primärversorgungspraxen

Testung

Testung auf auf COVID-19 - akute Erkrankungsphase 

Die jeweils aktuellen Empfehlungen zur PCR Testung auf Infektion mit SARS-CoV-2 finden Sie auf der Seite des Bundesministeriums unter den Fachinformationen.
 
International ist die Wichtigkeit eines effizienten Systems zu Testung und Kontaktverfolgung (Tracing) mit nachfolgender Isolierung infizierter Personen unumstritten, vor allem in der Phase der Suppression der Pandemie.
Nur wenn potentielle Überträger rasch und zuverlässig erkannt werden, ist eine neuerliche rasche Zunahme der Prävalenz mit allen ihren Folgen zu verhindern.
 
Zur Erkennung einer akuten Infektion ist der PCR-Test geeignet (Nasopharyngeal- oder Rachenabstrich). Die PCR liefert einen direkten Nachweis des Virus. Die Dauer der Nachweisbarkeit infektiöser Virionen beträgt im Regelfall maximal 7 Tagen; positive PCR-Resultate finden sich bei Genesenen aber in Einzelfällen noch später als 60 Tage nach Infektion. Mehr dazu s. Labordiagnostik bei Sars-CoV-2  Ein anhaltend positiver PCR-Test ist bei Genesenen nicht mit Infektiosität gleichzusetzen, s. dazu Abschnitt Quarantäne 
 
Zwei Testungsstrategien müssen unterschieden werden:
  1. Die Testung von Personen mit Infektionszeichen, bei denen Verdacht auf eine Erkrankung an Covid-19 besteht (diagnostische Testung)
  2. Die Testung von Personen ohne Krankheitszeichen (Monitoring und Screening):
a. besonders gefährdete Personen,
b. Personen, von denen eine besondere Gefahr der Verbreitung des Erregers ausgeht.
 
Anm: Zum Vorgehen nach positivem Testergebnis und zur Testung nach abgelaufener Erkrankung an Covid-19 bzw. Kontrolle nach positivem Test auf SARS-CoV-2 siehe Abschnitt Entlassung aus häuslicher Isolierung
 
Ziel ist in jedem Fall die raschestmögliche Identifizierung von infizierten Personen, und damit die Unterbrechung der Infektionskette
Unabdingbar ist daher die Verbindung der Testung mit einer effektiven Verfolgung aller Kontakte der betroffenen Person (bei positivem Ergebnis).
 
Ad 1. Diagnostische Testung:  Derzeit verfügt Österreich über ausreichende Testkapazitäten. Die Indikation zur Testung kann daher so großzügig gestellt werden, wie es medizinisch sinnvoll erscheint; eine Priorisierung ist nicht mehr erforderlich.
 
Als Grundlage für die Indikation zur Testung gilt weiterhin die Falldefinition des Bundesministeriums (Klinische Symptome eines respiratorischen Infekts ohne andere plausible Erklärung; bzw. bei typischen radiologischen oder laborchemischen Befunden oder epidemiologischen Hinweisen auch Fälle mit anderen klinischen Symptomen)
 
Der Primärversorgung kommt in dieser Phase der Pandemiebekämpfung besondere Bedeutung zu. 
 

Erkrankte Personen werden (und sollen) primär die hausärztliche Betreuung suchen, da weiterhin gilt: Kranke Menschen benötigen Untersuchung und Behandlung, s. dazu Abschnitt Regelversorgung, unter den nötigen Vorkehrungen, s. Abschnitt Telefontriage und Einstufung und Praxisorganisation.

Aufgrund der mangelnden klinischen Differenzierbarkeit zwischen Covid-19 und anderen Infektionskrankheit incl. Influenza können SARS-CoV-2 Infizierte nur mittels Testung identifiziert werden.  
Seit der Verordnung vom 29. April 2020 kann die Testung von Hausärzt_innen veranlasst werden, derzeit aber weiterhin mittels Anforderung über 1450 oder Amtsarzt - es sei denn, die Ordination ist Mitglied des Sentinel Netzwerks
Eine Vereinfachung dieser Strategie wird von der ÖGAM intensiv angestrebt.
Point-of-Care Tests zur Akutdiagnostik in den Ordinationen sind in Entwicklung, derzeit ist noch kein Test verfügbar, der die erforderliche Zuverlässigkeit besitzt.

Ad 2. Monitoring und Screening.
Dies betrifft einerseits Personen, die aufgrund von beruflichen Kontakten einem besonderen Risiko ausgesetzt sind, und die andererseits aus den gleichen Gründen auch Gefahr laufen, das Virus zu verbreiten. Besondere Beachtung gilt dabei Mitarbeiter_innen im Gesundheitsbereich bzw. überall dort, wo Kontakte mit vulnerablen Personen unvermeidlich sind.
In Zusammenhang mit der zunehmenden Öffnung fallen auch Einreisende und Angehörige z.B. von Bewirtungs- und Beherbergungsbetrieben in diese Gruppen.
Die Indikation zur Testung dieser Gruppen stellt die Behörde. Die aktuellen regelungen finden sich auf der Seite des Bundesminsteriums-Fachinformation
 

Grundsätzliche Anmerkung zur Testzuverlässigkeit:

Die Zuverlässigkeit eines (jedes) Tests hängt nicht nur von dessen Sensitivität und Spezifität ab, sondern auch von der Vortestwahrscheinlichkeit – also von der Verbreitung der getesteten Krankheit.
Das bedeutet: wenn die Krankheit (noch) wenig verbreitet ist, und wenn zusätzlich noch keine Symptome vorhanden sind, ist die Wahrscheinlichkeit von falsch positiven Ergebnissen relativ hoch, und auch falsch negative Ergebnisse sind möglich -  es sei denn Sensitivität und Spezifität des Test betragen 100%. Beim derzeit gebräuchlichen PCR-Test liegen sie bei etwa 99%.
Falsch negative Tests sind auch bei Mängeln in der Präanalytik möglich: z.B. fehlerhafte Abstrichentnahme oder Fehler bei Transport und Lagerung.

Seit kurzem ist ein Qualitätsmanagement für Labors vorgesehen, die PCR-Testungen durchführen (Ringversuch).
Eine Liste der als zuverlässig geführten Labors kann in Kürze an dieser Stelle abgerufen werden.


Testung auf COVID-19 – Antikörpertestung (indirekter Virusnachweis)


Antikörpertests weisen serologisch gegen SARS-CoV2 gebildete Antikörper nach, die im Rahmen der Immunantwort gebildet werden. Positive Resultate finden sich meist erst ab Tag 12 nach Infektion. Bei einigen Antikörpertests, die als Schnelltests verkauft wurden und ähnlich einem Schwangerschaftstets funktionieren (immunchromatografisch) waren weder Sensitivität noch Spezifität ausreichend.
Kreuzreaktionen mit Antikörpern gegen herkömmliche Coronaviren sind möglich und finden sich bei bis zu 3% der Bevölkerung. Dies kann dazu führen, dass für eine Person fälschlicherweise eine abgelaufene Infektion angenommen wird, und so falsche Sicherheit hinsichtlich einer bestehenden Immunität entsteht.
Zur Immunität:
Goldstandard zum Nachweis immunologisch aktiver Antikörper gegen SARS-CoV-2 ist ein Neutralisationstest.
Derzeit ist nicht bekannt, wie lange nach durchgemachter SARS-CoV-2 Infektion immunologischer Schutz gegen eine neuerliche Infektion besteht.
 
Antikörpertests sind für die Individualdiagnostik akuter Infektionen nicht geeignet, sondern lediglich für Seroprävalenzstudien, die die Rate falsch positiver Tests berücksichtigen und für Abklärungen zurückliegender Erkrankungen (im Sinne eines Ausschlusses von früheren Covid-19 Infektionen).
 
Mögliches Einsatzgebiet: Bei fehlendem oder negativem PCR Test und hoher klinischer Wahrscheinlichkeit für eine abgelaufene Erkrankung an Covid-19 kann ein positiver Antikörperbefund die Diagnose erhärten (vor allem bei serieller Testung, die die Serokonversion nachweist).
 
s. dazu Österr. Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und klinische Chemie - Labordiagnostik bei Sars-CoV-2
sowie Antikörpertests gegen SARS-CoV-2 ZFA 2020
 
 
 

Metadaten:
Autorin: Rabady
Review: Univ.-Prof.Dr.Franz Allerberger, Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch
letztes Update 26.05.2020
 
 
 

Entlassung aus häuslicher Isolierung

Bei leichten (also: üblichen, zuhause behandelten) Erkrankungen ist mit einer Negativierung der PCR nach 7-12 Tagen zu rechnen, in EIinzelfällen länger. Die Ausscheidung ist mit hoher Wahrscheinlichkeit schon einige Tage davor beendet.  

Details siehe oben bei Testung inkl. weiterführender Literatur.
Die derzeit gültigen Empfehlungen zur Entlassung aus dem Krankenhaus bzw. aus der häuslichen Isolierung von COVID-19-Fällen finden Sie bei den
Fachinformationen des Bundesministeriums.

Derzeit (24.3.20) gelten folgende Regeln:

Kernsatz:
Kriterien zur Entlassung aus der häuslichen Isolierung:

a) Ohne vorangegangenen Krankenhausaufenthalt (leichter Krankheitsverlauf)

  • Frühestens 14 Tage nach Symptombeginn
  • Symptomfreiheit seit mind. 48 Stunden bezogen auf die akute COVID-19- Erkrankung

b) Nach vorangehendem Krankenhausaufenthalt (aufgrund eines schweren Krankheitsverlaufs)

  • Frühestens 14 Tage nach Entlassung aus dem Krankenhaus
  • Symptomfreiheit seit mind. 48 Stunden bezogen auf die akute COVID-19- Erkrankung

Im Einzelfall kann, wenn erforderlich, in Absprache zwischen Klinik, Labor und zuständiger Gesundheitsbehörde von diesen Kriterien abgewichen werden. Dies gilt insbesondere bei Beteiligung von Personen, die den Risikogruppen zugerechnet werden (z.B. Immunsupprimierte, ältere Menschen, chronisch Erkrankte).”

Bei schweren Verläufen dauert die Ausscheidung und die Negativierung deutlich länger, je nach Schweregrad (bei Intensivpatienten bis zu 7 Wochen).

Für Gesundheitspersonal wird von den meisten Experten eine negative Testung vor Wiedereintritt in die Patient_innenversorgung empfohlen.

 

weiterführende Literatur für Interessierte

Long, Q., Liu, B., Deng, H. et al. Antibody responses to SARS-CoV-2 in patients with COVID-19. Nat Med (2020)., https://doi.org/10.1038/s41591-020-0897-1

SARS-CoV-2-Antikörper-Tests: Vorsichtige Interpretation der Ergebnisse, keine Schnelltests! - Arzneimittelbrief

Watson Jessica, Whiting Penny F, Brush John E. Interpreting a covid-19 test result BMJ 2020; 369 :m1808 doi: 10.1136/bmj.m1808

Antikörpertests bei COVID-19 - Was uns die Ergebnisse sagen Karl Horvath et al 

 

 

Events

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