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COVID-19: Prävention und Umgang in Primärversorgungspraxen

Schwangerschaft und Kinder

COVID-19 und Schwangerschaft

COVID-19 und Schwangerschaft

Aus den vielen internationalen Publikationen zu diesem Thema lässt sich ableiten, dass Schwangere kein erhöhtes Risiko haben, an COVID-19 zu erkranken und die Symptomatik keinen Unterschied zur Restbevölkerung aufweist - die meisten Schwangeren haben asymptomatische und milde Verläufe und erholen sich ohne Komplikationen. Zunehmend gesichert ist jedoch, dass Schwangere, wenn sie doch symptomatisch Erkranken in einem deutlich höheren Prozentsatz schwere Verläufe im Vergleich zu nicht-schwangeren Frauen entwickeln.  Allgemein zeigt sich eine deutlich erhöhte Frühgeburtlichkeit (Risiko bis zu 17% erhöht) - manche bzw. erste Daten zeigen hier auch eine Unabhängigkeit von der Infektionsschwere (The effect of maternal SARS-CoV-2 infection timing on birth outcomes: a retrospective multicentre cohort study) - ein sorgfältiges Monitoring der Schwangerschaft auch nach milder bzw. moderater SARS-CoV-2-Infektion ist somit zu empfehlen, vor allem da auch die Präeklampsiefrequenz mit durchgemachter Infektion erhöht zu sein scheint (Quelle: Stellungnahme ÖGGG). Das CDC berichtet von einem erhöhten Risiko für Totgeburten sowie maternalen und neonatalen Komplikationen v.a. im Rahmen der Delta-Variante (Risk for Stillbirth Among Women With and Without COVID-19 at Delivery Hospitalization — United States, March 2020–September 2021) Die anfangs deutlich erhöhte Kaiserschnittrate (60-70 vs. 30%) mag mitunter auch an der anfänglichen Empfehlung der Schnittentbindung bei SARS-CoV-2 positiven Patientinnen liegen, mittlerweile wird jedoch in internationalen Guidelines von einer Sectio rein aus dieser Indikation abgeraten, eine Vaginalgeburt ist möglich. 

Laut RKI sollte, auch in Anbetracht der ohnehin erhöhten Koagulabilität in der Schwangerschaft, bei schweren Verläufen bzw. weiteren Risikofaktoren für ein thrombotisches Geschehen eine Therapieindikation mit niedermolekularem Heparin sorgfältig geprüft werden (betrifft in der Regel eine stationäre Therapie).


Bei zunehmend guter Datenlage empfehlen internationale Experten und Gesellschaften sowie  auch die ÖGGG eine Impfung von Schwangeren. Ebenso wird die Stillzeit gemeinhin nicht als Kontraindikation gesehen (siehe auch: Anwendungsempfehlungen des nationalen Impfgremiums). Erste Daten zur Verträglichkeit bei Schwangeren und Stillenden zeigten bei den unmittelbaren Impfreaktionen kein Unterschied zur generellen Bevölkerung (JAMA: Short-term Reactions among Pregnant and lactating Individuals in the first Wave of the COVID-19 Vaccine Rollout), die EMA sieht deutlichen Nutzen für die mRNA-Impfung in der Schwangerschaft. Aufgrund der vorhandenen Datenlage ist die Impfung mittels mRNA-Impfstoffen (vorzugsweise Comirnaty) im 2. oder 3. Trimenon nach entsprechender Aufklärung in Österreich seitens des NIG empfohlen.

Hinweise zum Arbeitnehmer_innenschutz inklusive Schwangere finden sich im Handbuch COVID-19: Sicheres und gesundes Arbeiten  des Bundesministeriums für Arbeit - Arbeitsinspektorat, zum Thema Schwangerschaft häufig gestellte Fragen finden sich hier 

Es gibt derzeit nur im Einzelfall berichtete vertikale Übertragungen (d.h. in utero). Neonatale Infektionen von Kindern COVID erkrankter Müttern scheinen mit um die 5% selten zu sein. Die allgemein gültigen Hygienemaßnahmen sind auch hier einzuhalten. Die Übertragbarkeit über Muttermilch ist unklar, das Stillen wird aber allgemein befürwortet. ​

Leitfäden und Empfehlungen der ÖGGG zu COVID und Schwangerschaft 

Information / Empfehlung UpToDate 
 

Metadaten:
Autorin: Johanna Dolcic
Review: Maria Wendler
Letzte Änderung: 18.01.2022

 

 

COVID-19 und Kinder

COVID-19-Impfungen: Empfehlung zu Comirnaty Kinder 5 bis 11 Jahre des Nationalen Impfgremiums in der jeweilig gültigen Fassung

Nach derzeitigem Stand der Wissenschaft erkranken Kinder weniger schwer als Erwachsene und zeigen häufiger asymptomatische Verläufe, dennoch sind auch in Österreich Todesfälle und schwere Krankheitsverläufe beobachtet worden. PIMS/MIS-C führt jedenfalls zu einer Krankenhausaufnahme - die ersten Anzeichen treten in der Regel 4-6 Wochen nach Infektion auf. In Österreich haben rund 0,14% der nachweislich infizierten Kinder (142 Kinder und Jugendliche von ca. 100.000 diagnostizierten SARS-Cov-2 Infektionen) ein Hyperinflammationssyndrom entwickelt (Strenger V, Medizinische Universität Graz, persönliche Kommunikation Dezember 2021 in persönlicher Kommunikation mit dem NIG). In Österreich liegt die Hospitalisierungsrate bei Kindern ab 5 Jahren und Jugendlichen bei 1:300- 1:500. 
Je jünger die Kinder desto niedriger sind die Infektionsraten. Es ist jedoch möglich, dass auch Kinder nach milden und asymptomatischen Verläufen längerfristig unter den Folgen der Erkrankung (“Long COVID”) leiden können. Die Infektion erfolgt häufiger über Erwachsene als über andere Kinder. Durch die priorisierte Impfung älterer und vulnerabler Personengruppen zeigt sich im Sommer 2021 ein sinkendes Durchschnittsalter bei den SARS-Cov-2 Infektionen - in den jüngeren Altersgruppen (6-14, 15-24 und 25-34) mit deutlich steigenden 7-Tages-Inzidenzen (AGES).

Die Dauer der Infektiosität scheint jedoch unabhängig von Symptomen oder Schweregrad der Erkrankung, bei asymptomatischen Kindern ist jedoch die Viruslast geringer als bei symptomatischen.

In der Literatur zeigen auch die meisten unter 1-Jährigen milde bis moderate Verläufe. Außerdem gibt es Hinweise darauf, dass Kinder mit Krebs, rheumatischen Erkrankungen oder nach Transplantationen keine schwereren Verläufe zeigen als gesunde Kinder. Beatmungspflichtigkeit und Tod durch eine SARS-CoV-2-Infektion sind insgesamt sehr selten, und mit Risikofaktoren wie u.a. kardialen oder pulmonalen Vorerkrankungen, Übergewicht oder sehr jungem Alter (<1 Jahr) assoziiert. 

Unklar ist jedoch derzeit noch das Ausmaß der indirekten Folgen dieser Pandemie bei Kindern und Jugendlichen - diese haben zum Teil stark unter den Folgen der Migitationsmaßnahmen gelitten, Beschwerden und Symptome können hierbei nicht in direktem Zusammenhang mit der Infektion selbst, sondern Folgen der psychischen Belastung sein.

Long-COVID bei Kindern: (Quelle und Zitat: S1-Leitlinie Long COVID – ÖGAM

  • Beschwerden umfassen ähnlich wie im Erwachsenenalter unter anderem Müdigkeit, Kopfschmerzen, Störungen von Geruchs- und Geschmackssinn, Kurzatmigkeit, Konzentrationsstörungen, mangelnde körperliche Belastbarkeit.
  • Daten zu Long COVID bei Kindern in Österreich: (Preliminäre Datenanalyse einer Studie der MedUni Graz, AGES und ÖGKJ – Publikation in Vorbereitung) 14% haben mit Long COVID vereinbare Beschwerden nach einem Monat und 7,7% nach 3 Monaten. Ältere Kinder (10-14 Jahre) waren häufiger betroffen.  

MIS-C/PIMS-TS

  • Patient_innen ≤19 Jahre mit Fieber ≥ 3 Tage
  • UND zwei der folgenden Kriterien:
  • Exanthem oder bilaterale non-purulente Konjunktivitis oder mukokutane Entzündungszeichen (Mund, Hände, Füße).
  • Hypotension oder Schock.
  • Zeichen einer myokardialen Dysfunktion, Perikarditis, Valvulitis oder Koronaranomalien.
  • Zeichen einer Gerinnungsstörung (PT, PTT, erhöhtes D-Dimer)
  • Akute gastrointestinale Beschwerden (Diarrhoe, Erbrechen oder Abdominalgie)
  • UND erhöhte Entzündungsparameter (Blutsenkung, C-reaktives Protein oder Procalcitonin
  • UND keine andere offensichtliche Ursache der Entzündung, wie bakterielle Sepsis, Toxisches Schocksyndrom
  • UND Evidenz für COVID-19 (positiver PCR-, Antigentest oder Serologie) oder wahrscheinlicher Kontakt zu SARS-CoV-2.

(adaptiert nach WHO (49), Mai 2020)

Die Inzidenz wird auf 0,14% aller SARS-CoV-2 Infektionen im Kindes- und Jugendalter geschätzt. Dies könnte jedoch zu niedrig angesetzt sein da es kein allgemein gültiges Meldesystem für Mis-c gibt, die klinische Präsentation sehr breit sein kann und die Zahl mit SARS-CoV-2 infizierter Kinder vermutlich höher ist als die tatsächlich gemeldeten Fälle.

Von Februar 2020 bis Jänner 2021 wurden in Österreich 51 Fälle eines Mis-c gemeldet. Zwanzig davon benötigten die Aufnahme auf einer Intensivstation. (Quelle: ÖGKJ, AGES 2021).

Es dürfte sich dabei um ein multifaktorielles, immunologisches Geschehen nach Kontakt des Körpers mit dem Virus handeln. Therapie: intravenöses Immunglobulin und hochdosierte Glukokortikoide.

Bei klinischem Verdacht eines MIS-C ist die umgehende weitere Abklärung an einer entsprechenden Fachabteilung indiziert.

weiterführende Literatur:

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) und der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI): Infektions- und Übertragungsrisiken von SARS-CoV-2 und die Morbidität und Mortalität bei Kindern und Jugendlichen – Einfluss von saisonalem Verlauf, Virusvarianten und Impfeffekten (15.9.2021)

Metadaten:
Autorin: Johanna Dolcic, Maria Wendler
Review: Rabady
letzte Änderung: 22.12.2021
 

 

 

Literaturverzeichnis Update 25.08.2021

 

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