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COVID-19: Prävention und Umgang in Primärversorgungspraxen

Schutzausrüstung

Wichtige Abkürzungen und Definitionen:
PPE    Persönliche Schutzausrüstung (“Personal protective equipement”)
FFP1    Filtering Face Piece mit Abscheidungsgrad 78% nach EAN 149
FFP2    Abscheidungsgrad 94%
FFP3    Abscheidungsgrad 99%
MNS   Mund-Nasen-Schutz

Hier findet sich eine praxisorientierte Übersicht: Schutzausrüstung im hausärztlichen Bereich 

 

FAQ

Welche persönliche Schutzausrüstung ist für den Umgang mit (potentiellen) COVID-19-Patient_innen geeignet?

Die persönliche Schutzausrüstung für die Untersuchung einer potentiellen COVID-19-Patient_in besteht aus:
●    Schutzmaske (bevorzugt FFP2 oder FFP3)
●    Schutzbrille (oder Schutzhelm bzw. Schutzvisier)
●    langärmelige, wasserdichte Schutzkleidung
●    unsterile Einmalhandschuhe
●    optional Haube (ÜBER Brille und Maske anziehen!)

Wann verwende ich welche Maske?

Bei bekannter COVID-19 Infektion ist immer die maximal verfügbare Maske zu wählen, also FFP2 oder FFP3. Ein MNS ist kein Infektionsschutz, die Untersuchung/Behandlung ( =Unterschreitung des Abstandes von 1-2 m) einer COVID-19 Patient_in nur mit MNS führt daher unweigerlich zur eigenen Quarantäne.
 
FFP-Masken MIT Ventil verhindern das EINATMEN von Keimen, schützen jedoch nicht davor, dass abgeatmete Aerosole in die Umgebung verteilt werden - d.h. sie bieten Schutz vor Infektionen durch andere, nicht aber Schutz vor Transmission auf andere. Somit müssen COVID-19 positive Personen Masken OHNE Ventil tragen bzw. das Ausatemventil sicher verschlossen werden. 

Es gilt, dass kein_e Patient_in (unabhängig ob symptomatisch oder asymptomatisch) die Ordinationsräumlichkeiten ohne MNS betreten soll, ggf. sollte eine chirurgische Maske (oder FFP1 OHNE Ventil) vor/bei Betreten zu Verfügung gestellt werden. Dies ist ausreichend, wenn der/die Untersucher_in selbst die adäquate Schutzausrüstung trägt (optimal FFP2+ Maske bzw. je nach Situation - siehe Praxisorientierte Übersicht.

Selbst gebastelte MNS sind wie Visiere eine “mechanische Barriere” - sie reduzieren bei Husten/Niesen/feuchter Aussprache die Menge an potentiell infektiöser Tröpfchen, haben jedoch keine definierte Filterfunktion um z.B. Feinstaubpartikel, Aerosole oder auch Viren vom Durchdringen abzuhalten. Bei selbstgenähten Masken ist die Filterfunktion zusätzlich von den verwendeten Materialien abhängig. Dennoch gibt es zunehmende Evidenz, dass neben dem Abstand halten, vermeiden von Menschenansammlungen v.a. in geschlossenen Räumen (Wartezimmermanagement!)  und einer funktionierenden Test-Trace-Isolate-Strategie der MNS bzw. die chirurgische Maske kosteneffiziente und einfache Maßnahmen (richtig getragen!) sind, um Transmissionsraten zu reduzieren.
 

S. dazu Respiratory virus shedding in exhaled breath and efficacy of face masks (E)  , Face Masks Against COVID-19: An Evidence Review (E) und Reducing transmission of SARS-CoV-2 (E)  

Eine rezente Studie von Leung et al. (Leung, N.H.L., Chu, D.K.W., Shiu, E.Y.C. et al. Respiratory virus shedding in exhaled breath and efficacy of face masks. Nat Med 2020) weist jedoch auf den potentiellen Nutzen vom Einsatz chirurgischer MNS hin.

Offizielle Q&A des Bundesministeriums zu MNS

Für ALLE Maskenarten gilt: Sobald die Maske durchfeuchtet ist, bietet sie keinen Schutz mehr!
Übersicht über Masken und Schutz

Wie zieht man die Schutzausrüstung richtig an und aus?

Eine gute Übersicht über das An- und Ablegen der Schutzausrüstung bietet dieses Video des Krankenanstaltenverbundes Wien

Wichtige hygienische Grundregeln im Umgang mit der Schutzausrüstung

●    Persönliche Routine im An- und Ablegen der Schutzkleidung strikt nach einer offiziellen Anleitung am besten unter Beobachtung einer zweiten Person entwickeln.
●    Beim Anziehen der persönlichen Schutzausrüstung auf eine gute Abdeckung vor allem im Bereich der Handgelenke achten und Dichtheit der Maske durch festes Ausatmen prüfen.
●    Beim Ausziehen der persönlichen Schutzkleidung nie die kontaminierte Außenseite der Schutzkleidung anfassen.
●    Öffnung der Schutzkleidung am Rücken und Entfernung der Schutzausrüstung am Kopf erst NACH jeweils gründlicher hygienischer Händedesinfektion und IMMER eine abschließende großzügige hygienische Händedesinfektion inkl. der Unterarme unmittelbar nach vollständigem Ablegen der Schutzkleidung! (Das völlig kontaminationsfreie Ausziehen von Schutzkleidung ist fast unmöglich, deshalb sind die Händedesinfektionen so essenziell!)
●    Auch die Außenseite der Maske ist kontaminiert, dementsprechende Vorsicht beim Weglegen. Und nehmen Sie sich Zeit, um falls notwendig in Ruhe die kontaminierte Maske wieder anzulegen – Sie MÜSSEN vermeiden, dass die Außenseite der Maske mit Ihrem Gesicht in Berührung kommt!
●    Untersuchung möglichst im Freien oder in gut belüfteten Räumen.
●    Besondere Vorsicht und mindestens FFP2-Maske (besser FFP3-Maske) bei Aerosol-bildenden Tätigkeiten, wie z. B. Abstrichentnahme.
●    Fassen Sie sich NIE ins Gesicht. (häufiger Übertragungsweg!)

Wie kann ich bei Materialmangel sparen?

Bei Ausrüstungsmangel kann der kurze Erstkontakt (ohne Untersuchung - z. B. zur Anmeldung) ohne persönliche Schutzausrüstung bzw. mit chirurgischer Maske erfolgen, wenn die Patient_in eine (zumindest chirurgische) Maske trägt UND stets (optimal mehr als 2 Meter) Abstand eingehalten werden, oder eine andere mechanische Barriere zusätzlich besteht (z.B. Plexiglasverbau der Anmeldung).  Der Kontakt sollte in so einem Fall möglichst kurz gehalten werden und kein Aufenthalt im selben Raum über einen längeren Zeitraum stattfinden. 

Wann muss ich auf jeden Fall eine Schutzausrüstung tragen?

Bei Tätigkeiten, bei welchen der Patient_in die Maske abgenommen werden muss und ev. die Aerosolbildung zusätzlich angeregt wird (z. B. Abstrichabnahme) ist jedenfalls eine vollständige persönliche Schutzausrüstung mit einer FFP2- oder FFP3-Maske zu tragen. Andere Tätigkeiten an der Patient_in können bei Materialmangel auch mit einer FFP1- oder chirurgischen Maske (und natürlich einer ansonsten vollständigen persönlichen Schutzausrüstung) durchgeführt werden, wenn die Patient_in auch selbst eine Maske trägt.

Wie lange kann ich eine Atemschutzmaske verwenden?

Eine Atemschutzmaske kann während 4 bis max. 8 Stunden durchgehender Benützung verwendet werden, solange sie nicht komplett durchfeuchtet ist. Wird die Maske zwischendurch abgenommen, verlängert sich die Zeit dementsprechend um den Zeitraum, in welchem die Maske nicht getragen wird.

Worauf muss ich achten, wenn ich die Maske zwischendurch abnehme?

Das Abnehmen und Wiederaufsetzen einer gebrauchten Maske birgt ein hohes Infektionsrisiko, es ist daher auf Folgendes zu achten:

Wenn Sie eine gebrauchte Maske zwischenzeitlich abnehmen, so können Sie sie an den Bändern frei aufhängen, z. B. an einem Infusionsständer. Die gebrauchten Masken sollen frei zum Trocknen gelagert sein (nicht abgeschlossen) und NICHT mit der Umgebung oder anderen Masken in Berührung kommen. Falls die kontaminierte Außenfläche mit einer Oberfläche in Berührung kommt, so ist diese Oberfläche später zu desinfizieren.

  • Bringen Sie NIEMALS die Außenseite einer gebrauchten Maske mit ihrem Gesicht in Berührung! Da dies beim Anziehen einer gebrauchten Maske oft nicht so einfach ist, nehmen sie sich Zeit um eine gebrauchte Maske in Ruhe anzuziehen.
  • Berühren Sie beim Wiederanziehen einer gebrauchten Maske nur die Bänder um eine gefährliche Kontaminationen im Gesichtsbereich oder an der Maskeninnenseite zu vermeiden.​
  • Wenn Sie die Außenseite einer gebrauchten Maske berühren, so müssen Sie damit rechnen, dass ihre Hände dadurch mit Viren kontaminiert sind. (-> Händedesinfektion!)
  • Wenn Sie eine gebrauchte Maske zwischenzeitlich abnehmen, so können Sie sie an den Bändern frei aufhängen, z. B. an einem Infusionsständer. Falls die kontaminierte Außenfläche mit einer Oberfläche (z B. Stange des Infusionsständers) in Berührung kommt, so ist diese Oberfläche später zu desinfizieren.
  • Strapazieren Sie die Bänder beim mehrmaligen An- und Ausziehen nicht zu sehr, leider reißen diese bei den handelsüblichen Masken gerne ab.
  • Selbstverständlich sollte dieselbe Maske niemals bei der Behandlung von Patient_innen mit unterschiedlichen Erkrankungen verwendet werden.

Wie muss ich vorgehen, wenn ich meine FFP-Schutzmasken wiederaufbereiten möchte?

Wiederaufbereitung der FFP- Schutzmasken

Welche behelfsmäßige Ausrüstung kann ich verwenden, wenn keine Schutzausrüstung zur Verfügung steht?

Anstelle von Schutzanzügen können bei Materialmangel wasserdichte Schürzen verwendet werden. Andere wasserdichte Kleidung wird nicht offiziell empfohlen, ist aber denkbar.

Schutzbrillen (und Schutzvisiere) mit ausschließlich glatten Oberflächen können z. B. mittels Wischdesinfektion desinfiziert und wiederverwendet werden..

Was muss ich für meinen persönlichen Schutz außer der persönlichen Schutzausrüstung noch beachten?

Berühren Sie sich NIE selbst im Gesicht, außer Sie sind sich sicher, dass sie keine kontaminierten Hände haben (also z. B. nach korrekt durchgeführter hygienischer Händedesinfektion) und auch selbst kein Keimträger sind. Ein häufiger Übertragungsweg für Gesundheitspersonal ist eine Berührung im Gesicht beim Ausziehen der Schutzkleidung! Und die wichtigste Grundvoraussetzung für die ärztliche Tätigkeit während der Pandemie ist das sofortige Erkennen von potentiellen COVID-19-Patient_innen, bevor diese beispielsweise die Ordinationsräumlichkeiten betreten können.
Bitte beachten Sie die weiteren Hinweise im Unterpunkt Hygiene

Welche Schutzausrüstung soll ich im Umgang mit Patient_innen OHNE Verdacht auf COVID-19 verwenden?

Grundsätzlich sollte bei Patient_innen ohne COVID-19-Verdacht natürlich je nach Krankheitsbild dieselbe Schutzausrüstung wie bisher verwendet werden. Zusätzlich muss während der Pandemie-Zeit - je nach Verfügbarkeit - zumindest eine chirurgische oder FFP1-Maske  getragen werden,  um sich zumindest etwas gegen das Infektionsrisiko von unerkannten COVID-19-Fällen schützen zu können und vor allem die Weiterverbreitung - falls man selbst symptomlose Träger_in wäre - zu reduzieren. Weiters muss während der Pandemiezeit immer auf eine strikte Händehygiene geachtet werden, da dies ebenfalls einen häufigen Übertragungsweg darstellt, vor allem wenn man sich mit den Händen im Gesicht berührt.

Sind Stiefel als Teil der Schutzausrüstung notwendig?

Nein, Stiefel sind laut WHO nicht notwendig.

Ist ein Schutzvisier (bzw. Schutzhelm; engl. “face shield”) als Teil der Schutzausrüstung notwendig?

Offizielle Empfehlungen sprechen von einer Schutzbrille. Allerdings kann selbstverständlich alternativ oder zusätzlich auch ein Schutzvisier verwendet werden, ein solches reduziert die Menge an Coronaviren an der Außenseite der Maske und in den ungeschützten Bereichen des Gesichts. Es kommt aber trotzdem zu einer, wenn auch reduzierten, Kontamination! Auch beschlägt es eventuell etwas weniger als manche Schutzbrillen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass das Schutzvisier das gesamte Gesicht bedeckt inkl. Kinn und nach dorsal bis in den Bereich der Ohren. Das Schutzvisier muss gut fixiert sein.
Bei Intoleranz von MNS wird das Visier auch bei Patient_innen als Ersatzbarriere verwendet werden. Desto näher sich das Visier am Gesicht befindet, desto eher fungiert es als Barriere. Klären Sie die Patient_innen entsprechend über ggf. nicht ausreichende Visierformen auf und lassen sie wenn möglich trotzdem eine Maske anlegen.
Es gibt auch Anleitungen, wie man sich ein Schutzvisier selbst basteln kann

TIPP für Mangelsituationen:
Viele Kolleg_innen berichten uns, dass Firmen der Umgebung bereit waren, Ausrüstungsbestandteile (wie Masken, Anzüge, Brillen) an die Ordinationen zu spenden. Wenden Sie sich an Ihre Gemeinden und Betriebe: In den meisten Fällen treffen wir auf Hilfsbereitschaft - gepaart mit dem Interesse an einer Aufrechterhaltung der regionalen Gesundheitsversorgung.

WICHTIGER HINWEIS: Gerade im Bereich der Schutzausrüstung ist in Zeiten des Ausrüstungsmangels eine pragmatische Herangehensweise notwendig. Falls eine Verwendung der offiziell empfohlenen PPE nicht möglich ist, ist eine individuelle Risikoabwägung und -minimierung notwendig. Prinzipiell gilt vor allem für Gesundheitspersonal aus der Risikogruppe des Gebot des Selbstschutzes! Die hier gesammelten Empfehlungen für alternative Schutzmöglichkeiten sollen in Krisenzeiten eine Unterstützung zur Reduktion des Ansteckungsrisikos bieten.

Quellen

ECDC: Leitlinien zum Tragen und Ablegen persönlicher Schutzausrüstung in Gesundheitseinrichtungen für die Pflege von Patienten mit vermuteter oder bestätigter COVID-19-Erkrankung
ECDC:Infection prevention and control for COVID-19 in healthcare settings.

Bunyan D, Ritchie L, Jenkins D, Coia JE. Respiratory and facial protection: a critical review of recent literature. Journal of Hospital Infection. November 2013;85(3):165–9.

Institut für Hygiene und Mikrobiologie der MedUni Innsbruck: SARS-CoV-2, COVID-19
Ein krankenhaushygienischer Überblick Version 2, 20.03.2020
Roberge RJ. Face shields for infection control: A review. Journal of Occupational and Environmental Hygiene. 2. April 2016;13(4):235–42.

Lindsley WG, Noti JD, Blachere FM, Szalajda JV, Beezhold DH. Efficacy of Face Shields Against Cough Aerosol Droplets from a Cough Simulator. Journal of Occupational and Environmental Hygiene. 3. August 2014;11(8):509–18.
Testing the efficacy of homemade masks: would they protect in an influenza pandemic? Davies et.al, doi: 10.1017/dmp.2013.43.
Respiratory virus shedding in exhaled breath and efficacy of face masks. Leung, N.H.L., Chu, D.K.W., Shiu, E.Y.C. et al. Nat Med (2020).
Stellungnahme des Fachausschusses Prüfwesen der ÖGSV zur Aufbereitung von Einmal-Schutzmasken in der Corona-Krise

 

CDC. Coronavirus Disease 2019 (COVID-19) [Internet]. Centers for Disease Control and Prevention. 2020 [zitiert 18. April 2020]. Verfügbar unter: https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/hcp/ppe-strategy/decontamination-reuse-respirators.html
Nathan N. Waste Not, Want Not: The Re-Usability of N95 Masks. Anesthesia & Analgesia. März 2020;1.
Price A, Chu L. Can face masks be safely disinfected and reused?
Coronaticker [Internet]. DGSV. [zitiert 18. April 2020]. Verfügbar unter: https://www.dgsv-ev.de/covid19/
 
 

Expert Recommendations for the Prevention and Control of COVID-19 Infections in Primary Care (First Edition)

Kamlesh Khunt et al.,The efficacy of PPE for COVID-19-type respiratory illnesses in primary and community care staff, British Journal of General Practice 13 July 2020; DOI: https://doi.org/10.3399/bjgp20X710969

PAHO,WHO - Requirements and technical specifications of personal protective equipment (PPE) for the novel coronavirus (2019-ncov) in healthcare settings (interim recommendations, 2/6/2020)

 

 

Metadaten
Autoren: Dr. Johannes Oswald, Dr. Sebastian Huter
Review: Rabady, Wendler
Letzte Änderung: 04.08.2020

Events

  1. 05 Nov

    Ringvorlesung: Neurologische Rehabilitation

    05. November 2020, 18:00 - 22:00
    Auditorium der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften
  2. 19 Nov

    Ringvorlesung: Orthopädische Rehabilitation

    19. November 2020, 18:00 - 22:00
    Auditorium der Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften
  3. 25 Nov

    12. MAIMONIDES LECTURES – 3. Reihe in Niederösterreich

    25. November 2020, 17:00 - 26. November 2020, 18:30
    Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Trakt Y, Festsaal