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COVID-19: Prävention und Umgang in Primärversorgungspraxen

Schutzausrüstung

Wichtige Abkürzungen und Definitionen:
PPE    Persönliche Schutzausrüstung (“Personal protective equipement”)
FFP1    Filtering Face Piece mit Abscheidungsgrad 78% nach EAN 149
FFP2    Abscheidungsgrad 94%
FFP3    Abscheidungsgrad 99%
MNS   Mund-Nasen-Schutz

Hier findet sich eine praxisorientierte Übersicht: Schutzausrüstung im hausärztlichen Bereich (02/2021)

Factsheets - Empfehlungen für die hausärztliche Primärversorgung während der Pandemie (02/2021)

 

FAQ

Welche persönliche Schutzausrüstung ist für den Umgang mit (potentiellen) COVID-19-Patient_innen geeignet? 

Jeder UNDIFFERENZIERTE Infekt bedarf folgeneder Schutzausrüstung

  • FFP2-Maske (oder höher), 
  • Handschuhe, 
  • Visier oder Brille
  • bei erhöhter Tröpfchenbildung/Aerosole und Abstrichentnahme: Einmalschürze oder Schutzmantel/-kittel 

Der nasopharyngeale – oder oropharyngeale Abstrich zur Materialgewinnung sowohl für Antigentest als auch PCR macht somit keine andere Schutzausrüstung als die zur Untersuchung JEDES NICHT DIFFERENZIERTEN Infektes notwendig: FFP2-Maske, Handschuhe, Visier oder Brille, Kittel oder Schürze. 

Wann verwende ich welche Maske?

Seit der 4. COVID-19-Schutzmaßnahmenverordnung (08.02.2021 in Kraft getreten) galt die Ausweitung der FFP2-Pflicht. Überall dort, wo bisher ein Mund-Nasenschutz vorgeschrieben war, galt die FFP2-Pflicht - auch für unsere Ordinationen. Unabhängig der Maßnahmenverordnung ist jedoch prinzipiell zum Schutz der Patient_innen, der Ordinationsteams und allen weiteren Personen bei Zumutbarkeit und ausreichenden Ressourcen die FFP-2 Maske einer chirurgischen Maske vorzuziehen:

Kein_e Patient_in (unabhängig ob symptomatisch oder asymptomatisch) soll die Ordinationsräumlichkeiten ohne Maske betreten, generell sollte eine FFP2 Maske getragen und ggf. zu Verfügung gestellt werden - falls nicht möglich, sollte zumindest eine chirurgische Maske (oder FFP1 OHNE Ventil) vor/bei Betreten zu Verfügung gestellt werden. Dies ist ausreichend, wenn der/die Untersucher_in selbst die adäquate Schutzausrüstung trägt.

Wenn der Patient keine Maske trägt (z.B. wegen einer Untersuchung), ist jedenfalls eine FFP 2-Maske für den/die Untersuchende zu empfehlen, ebenso, wenn ein Abstand von 1m von der Mund-Nasenregion des Patienten unterschritten wird. Wenn der Mund geöffnet wird (Untersuchung des Mundraums) ist zusätzlich ein Visier oder Brille empfohlen.                        

FFP-Masken MIT Ventil verhindern das EINATMEN von Keimen, schützen jedoch nicht davor, dass abgeatmete Aerosole in die Umgebung verteilt werden - d.h. sie bieten Schutz vor Infektionen durch andere, nicht aber Schutz vor Transmission auf andere. 

MNS aus Stoff sind eine “mechanische Barriere” - sie reduzieren bei Husten/Niesen/feuchter Aussprache die Menge an potentiell infektiöser Tröpfchen, haben jedoch keine definierte Filterfunktion. Doppellagigkeit sollte unbedingt gegeben sein. Bei selbstgenähten Masken ist die Filterfunktion zusätzlich von den verwendeten Materialien abhängig. Dennoch gibt es Evidenz, dass neben dem Abstand halten, vermeiden von Menschenansammlungen v.a. in geschlossenen Räumen der MNS bzw. die chirurgische Maske kosteneffiziente und einfache Maßnahmen (richtig getragen!) sind, um Transmissionsraten zu reduzieren.

Visiere bremsen den direkten Auswurf beim Husten/Niesen gegebenenfalls, verhindern aber nicht die Verteilung von Aerosolen im Raum, sie sind daher kein wirkungsvoller Ersatz zu einer chirurgischen Maske (“OP-Maske” med. Standards). 

Offizielle Q&A des Bundesministeriums zu FFP2, MNS und Abstandspflicht

Für ALLE Maskenarten gilt: Sobald die Maske durchfeuchtet ist, bietet sie keinen Schutz mehr!

Klar ist auch: nur eine gut sitzende Maske bietet Schutz. Tipps, um den Sitz zu verbessern: Passen Sie den Nasenbügel gut an. Achten Sie darauf, dass Sie die Maske gut ausstreifen und kein Spalt seitlich an den Wangen besteht:

  • Straffen Sie die Gummibänder indem Sie sie am Hinterkopf zusammenhängen (viele Masken haben mittlerweile Plastikhaken dafür mit eingepackt - diese können wiederverwendet werden - Oberflächenwischdesinfektion möglich) 
  • Verknoten/Überkreuzen Sie die Ohrbänder - dies hat ähnlichen Effekt
  • Tragen Sie eine zusätzliche Nylon- oder Stoffmaske über der Maske (v.a. bei MNS), um die Dichtigkeit zu verbessern

Wichtige hygienische Grundregeln im Umgang mit der Schutzausrüstung 

  • Beim Ausziehen der persönlichen Schutzkleidung nie die kontaminierte Außenseite der Schutzkleidung anfassen. 
  • Händedesinfektion nach dem Ausziehen des Kittels und auch nach Abnahme von Maske und Brille
  • Auch die Außenseite der Maske kann kontaminiert sein, dementsprechende Vorsicht beim Weglegen. 
  • Häufiges Lüften
  • Fassen Sie sich NIE ins Gesicht. (häufiger Übertragungsweg!), 
     

Wie lange kann ich eine Atemschutzmaske verwenden?

Eine Atemschutzmaske kann während 4 bis max. 8 Stunden durchgehender Benutzung verwendet werden, solange sie nicht komplett durchfeuchtet ist. Wird die Maske zwischendurch abgenommen, verlängert sich die Zeit dementsprechend um den Zeitraum, in welchem die Maske nicht getragen wird.

Worauf muss ich achten, wenn ich die Maske zwischendurch abnehme?

Wenn Sie eine gebrauchte Maske zwischenzeitlich abnehmen, so können Sie sie an den Bändern frei aufhängen, z. B. an einem Infusionsständer. Die gebrauchten Masken sollen frei zum Trocknen gelagert sein (nicht abgeschlossen) und NICHT mit der Umgebung oder anderen Masken in Berührung kommen. Bringen Sie NIEMALS die Außenseite einer gebrauchten Maske mit ihrem Gesicht in Berührung! Da dies beim Anziehen einer gebrauchten Maske oft nicht so einfach ist, nehmen sie sich Zeit um eine gebrauchte Maske in Ruhe anzuziehen. Dichtheit der Maske durch festes Ausatmen prüfen, Händedesinfektion nach dem Anlegen.

 

Wichtiges in Kürze:

Maßnahmen zum Schutz von Patientinnen/Patienten und Gesundheitspersonal - Empfehlungen für die hausärztliche Primärversorgung während der Pandemie  und Factsheet 

Weiterführende Literatur und Quellen:

ECDC:Infection prevention and control for COVID-19 in healthcare settings.

PAHO,WHO - Requirements and technical specifications of personal protective equipment (PPE) for the novel coronavirus (2019-ncov) in healthcare settings (interim recommendations, 2/6/2020)

ECDC: Leitlinien zum Tragen und Ablegen persönlicher Schutzausrüstung in Gesundheitseinrichtungen für die Pflege von Patienten mit vermuteter oder bestätigter COVID-19-Erkrankung
 

Wiederaufbereitung der FFP - Schutzmasken 

siehe auch in der folgenden Übersichtsarbeit über Methoden der Wiederaufbereitung von FFP2-Masken: Filtering Facepiece Respirator (N95 Respirator) Reprocessing - A Systematic Review
 

Metadaten
Autoren: Dr. Johannes Oswald, Dr. Sebastian Huter
Review: Rabady, Wendler
Letzte Änderung: 23.07.2021

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