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COVID-19: Prävention und Umgang in Primärversorgungspraxen

Betreuung spez. Aspekte

Ausstellung Risikoattest für Patient_innen

Impfungen 

Empfehlungen des Bundesministeriums im Umgang mit Impfungen während der COVID-19-Pandemie (Stand: 16.06.2020) 

Hausärztliche Reiseberatung zu Zeiten von Covid-19


Nach einem Frühjahr mit Einschränkungen des öffentlichen und gesellschaftlichen Lebens, sozialer und physischer Distanz und Unsicherheiten kommt nun der Sommer auf uns zu. Und damit verbunden regt sich in vielen Menschen wieder die Sehnsucht nach Urlaub, Sonne, Erholung und “Freiheit” - oder der Wunsch nach der Fortsetzung altbekannter Urlaubstraditionen.

Die Zeit von Covid-19 ist jedoch noch nicht vorbei. Die Fallzahlen sind zumindest im zentraleuropäischen Raum sinkend und führen zu einer zunehmenden Entspannung der Situation, dennoch steht das Risiko einer regionalen 2.Welle oder auch lokalen Clustern im Raum. Demgegenüber stehen Grenzöffnungen und Lockerungen, die Rückkehr in eine “neue Normalität”.

Die Urlaubsplanung wird zur großen Herausforderung und ist mit vielen Unsicherheiten verbunden, was aber kann man jenen Leuten, die ihren Urlaub wahrnehmen wollen und die aufgrund der letzten Monate und der damit verbundenen Schwierigkeiten ein tiefstes Erholungsbedürfnis haben, raten?

Prinzipiell gilt: Die Reisewarnungen vom Außenministerium und die bestehenden Ein-und Ausreisebeschränkungen sowie gültige Empfehlungen sollten unbedingt beachtet werden - derzeit wird nach wie vor von nicht notwendigen Reisen abgeraten (Stand 12.06.2020). Zunehmend beginnen auch wieder berufliche Reisen. Und auch Reisen in Österreich zu Zeiten von Covid können in ihrer Planung Herausforderung werden. Aus hausärztlicher Sicht ist somit zu beachten:

hausärztliche Einschätzung des individuellen Risikos

  • individuelle Einschätzung (Grunderkrankungen und relevante Risikofaktoren eines schwereren Covid-19-Verlaufs)
  • Reiseberatung (Ziel? lokale Situation? Ausstattung des dortigen Gesundheitssystems?)
  • Zusammenstellung einer Reiseapotheke inkl. notwendiger Dauermedikamente in ausreichendem Maß - inklusive einer RESERVE für eine eventuell verzögerte Rückkehr durch Reiseeinschränkungen (neuerliche Unterbrechung Flugverkehr, Grenzschließungen, Quarantänebestimmungen)
  • Impfberatung - Überprüfung sonstiger empfohlener Impfungen lt. österr. Impfplan (u.a. diTet,Pert, HBV, Pneumokokken, MMR) und für das vorgegebene Reiseland
  • wie sonst auch: Beratung zur Thromboseprophylaxe (Medikamentöse Thromboseprophylaxe nur für Risikopersonen bei längeren Reisen, ansonsten Stützstrümpfe (KKL II)

Ausführliche Information über sinnvolle Maßnahmen und Verhaltensweisen

physical Distancing

  • Vermeiden von Veranstaltungen und Besichtigungen in geschlossenen Räumen und Ansammlungen von unbekannten und großen Menschengruppen
  • Restaurantbesuche - Abstandhalten, freie Belüftbarkeit? (In geschlossenen Räumen ohne Möglichkeit einer direkten Belüftung stellt sich die Frage nach der Qualität der Belüftung/Klimaanlage), besser im Gastgarten
  • unbedingtes Einhalten der lokal empfohlenen Verhaltensmaßnahmen (wo ist MNS zu tragen?)
  • Einhaltung des Abstandes von mind. 1 m (besser 1,5-2m, Anm: 6 feet = ca. 183 cm)
  • Reisen mit bekannten Personen/Gruppen, auf deren Beachtung allgemeiner Grundregeln auch vertraut werden kann, ist klar zu bevorzugen
  • vermeiden öffentlicher oder gemeinschaftlicher Toilettenanlagen mit offensichtlich fehlenden Hygienestandards/ohne regelm. Säuberung/Desinfektion

Händehygiene (häufiges Händewaschen), ggf. auch Mitnahme eines Händedesinfektions-und Flächendesinfektionsmittels (z.B. Fertigdose mit Tüchern, Handschuhe), nicht ins Gesicht greifen, Husten und Niesen in den Ellbogen

Mund-Nasen-Schutz

Grundsätzlich ist zu beachten, dass eine durchfeuchtete Maske keinen Schutz mehr bietet. Die Gesichtspartie soll dicht abgedeckt sein.  

Ausreichende Menge an wegwerfbaren Einmal-Masken (chirurgisch) bzw. ausreichende Reserve an selbstgemachten Masken, sollte Waschen des eigenen MNS nicht unmittelbar möglich sein.

Ggf. könnten je nach Reisemodalität und Risiko auch ein oder mehrere FFP2-Masken (z.B. bei längerer Reisedauer in Massentransportmitteln) hilfreich sein [höherer Eigenschutz, diese sind i.G. aber v.a. bei Schlüsselpersonal und Nahkontakten empfohlen].

  • Aufklärung der Reisenden über die Funktion des MNS - bei chirurgischen Masken und selbstgemachten Stoffmasken: Fremdschutz > Eigenschutz (daher sollte auch das Umfeld bereit sein, Masken zu tragen)
  • weitere persönliche Schutzausrüstung notwendig (Handschuhe? Visier bei Intoleranz von Masken)?
  • Bestärkung des eigenen Bedürfnisses an Schutzmaßnahmen - selbst wenn der Rest der Gruppe oder der Umgebung sich nicht an basale Sicherheitsmaßnahmen hält - es ist im eigenen Interesse sich selbst zu schützen und den Schutz durch die Umgebung einzufordern

Reisemodalitäten

  • Individualreisen bevorzugen: Reisen besser mit Familie oder in bekannten kleinen Gruppen
  • Vermeidung von Gruppenschlafsälen,  kleinere Hotels bevorzugen
  • Individuelle Anreise bevorzugen – Schutzmaßnahmen (MNS, Abstand) bei Massentransportmitteln und in Wartezonen, v.a. von Schifffahrten ist bei deutlich höherem Risiko abzuraten
  • zu bevorzugen sind Veranstaltungen und Besichtigungen im Freien, Restaurantbesuche nur unter Einhaltung des Sicherheitsabstandes und ebenfalls bevorzugt im Freien
  • regelmäßige Beachtung der lokalen Nachrichten bzw. Infektionslage
  • sofortige ärztliche Kontaktaufnahme bei Infektsymptomen (auch bei Reisemitgliedern einfordern)
  • je weniger Grenzen überquert werden und umso kürzer die Reisedistanz, desto weniger wahrscheinlich sind Verzögerungen in der Hin-und Rückreise und desto einfacher ist eine rasche Rückkehr bei eigenen gesundheitlichen Problemen - bei Reisen ins Ausland:  Reisewarnungen des Außenministeriums beachten und eine Reiseregistrierung beim Außenministerium durchführen
  • “Selbstversorger” - ausreichende Versorgung mit unverderblichen Proviant, falls aufgrund eines lokalen “Lock Downs” Lebensmittel wieder erschwert zugänglich sind
  • potentielle Forderung nach Selbstisolation nach Rückkehr mitberechnen (jederzeit je nach nationalen und internationalen Entwicklungen wieder möglich)

Zusammenfassung

  • entsprechend jeder hausärztlichen Reiseberatung angepasst an das individuelle Risiko, insbesondere aber unter Beachtung von
    • geschlossenen Räumen/Transportmittel und fraglicher Belüftung und

Verweildauer > 15min und < 1m Abstand

  • ausreichend Flüssigkeit und Jause bei zu erwartend längeren Grenzkontrollen oder unbekannter Infrastruktur entlang der Reiseroute
  • Aufklärung über allgemeine Schutzmaßnahmen und Risikosituationen
  • Achtung! Bei Reise-/Stronoverischerungen bzw. auch konkret wegen einer potentiellen Rückholung aufgrund der Pandemie gezielt Erkundigungen einholen! Auch bei bestehenden Versicherungen ist daran zu denken (z.B. Kreditkarten, ÖAMTC, Alpenverein….), dass Problemstellungen i.R. von Pandemien oft nicht abgedeckt sind.
  • Beachtung der Reisewarnungen (Außenministerium) und Registrierung ebenda bei Reisen ins Ausland

Prinzipiell gilt: jede Art der Reise kann das Infektionsrisiko erhöhen, je besser man die entsprechenden Verhaltensmaßnahmen einhält und einfordert, desto besser ist man dennoch geschützt. Man muss sich jedoch bewusst sein, dass selbst beim Tragen von MNS und der Einhaltung sämtlicher Regeln immer ein Restrisiko besteht.

Möglicherweise sind RT-PCR-Tests oder Gesundheitsatteste zur Einreise/Ausreise notwendig - Hausärzt_innen sollten daher gezielt nachfragen, ob diese Informationen durch die Reisenden bereits eingeholt wurden - und wann - hier ändern sich die Bedingungen derzeit wöchentlich.

Reiserückkehr

Bei Infektzeichen zum Zeitpunkt der Reiserückkehr ist eine Selbstisolation entsprechend der Verdachtsfalldefintion und ggf. Testung anzustreben.

Dazu ist zu beachten: JEDER Verdachtsfall ist zu melden, ein rasches und schnellstmögliches Contact-Tracing und finden möglicher Cluster ist wichtig - der hausärztliche Erstkontakt spielt hier eine wesentliche Rolle!

Bei Infektzeichen: Monitoring

Gibt es bei Rückkehr vulnerable Familienmitglieder zu Hause -kann ein Abwarten eines Sicherheitsintervalls von 14 Tagen je nach Art und Ort der Reise sinnvoll sein (freiwillige Selbstisolation ggü. den Angehörigen zu deren Schutz).

Vorschlag einer Patienteninformation 

 

Quellen: 

https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/travelers/travel-in-the-us.html

https://www.cdc.gov/coronavirus/2019-ncov/daily-life-coping/using-transportation.html

https://www.ecdc.europa.eu/en/covid-19/questions-answers

https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/Considerations-related-to-measures-for-travellers-reduce-spread-COVID-19-in-EUEEA.pdf

https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/COVID-19-public-transport-29-April-2020.pdf

https://www.oeamtc.at/thema/reiseplanung/coronavirus-reiseinfos-36904404#reisen-corona-37411397

 

 

Metadaten:
Autorin: Dr. Maria Wendler
Review: Univ.-Prof. Dr. Herwig Kollaritsch,
Dr. Burghuber, Dr. Croy, Dr. Glehr, Dr. Kamenski, Dr. Rabady
Letztes Update 12.06.2020

 

Checkliste Telemedizinische Konsultation (Download)

ausführliche Version 

Allgemeines

  • Entspricht das verwendete Programm dem notwendigen Datenschutz?
  • Passt meine technische Ausrüstung?
  • Internetverbindung? Handy: Empfang? ruhige Umgebung?
  • ​Sind mein Mirkofon und Kamera eingeschalten, passen die Lichtverhältnisse?
  • ​ev. 2 Bildschirm (erleichterte Dokumentation und Nachschau) oder Handyhalterung (ruhiges Bild)?
  • Jede Art d. Konsultation ist natürlich zu dokumentieren


​Vorbereitung Videokonsultation

  • Patient_innen-Kartei bereit halten, kurzer Check Diagnosen und Risikofaktoren
  • Wichtige Daten  (u.a. Telefonnummer) und Parameter (BMI, Raucherstatus etc. ) vorhanden und aktuell?
  • _______________________________________?______________________________________?

Gesprächsbeginn

Mit wem spreche ich? 

  • Mit Patient_innen wenn möglich persönlich in Kontakt treten
  • Wenn nicht möglich: vertraute/unmittelbare Betreuungsperson?
  • mündliches Einverständnis d. Patient_innen möglich?
  • Kurze Identitätsprüfung (Name, Geburtsdatum) bei Unbekannten

technischer Check 

  • Hören Sie mich gut? Sehen Sie mich gut?
  • Ich höre Sie gut, ich sehe Sie gut
  • Verzögerungen bei Bildübertragung? Lichtverhältnisse?

Orientierende Fragen 

  • Gezielte Anamnese
  • Vigilanz bzw. Zeichen der Verwirrtheit? Erste Zeichen von Distress? Angst?
  • ​Was wurde vor der Konsultation gemacht? (Alltagsaktivtät? Bettruhe?)


Symptomatik 

COVID-19 kann derzeit nur ausgeschlossen werden, wenn eine eindeutige Identifikation anderer Ursachen möglich ist
 

Gesprächsabschluss

  • Weiteres Prozedere? (tel. Kontakt, Videokonsultation oder Präsenzkontakt?)
  • Betreuung gesichert? Nächstes Monitoring-Gespräch - wann?
  • Aufklärung über mögliche Verschlechterung: Wann frühere Kontaktaufnahme/Wann ist Rettung zu alarmieren?
  • Wurde alles verstanden oder gibt es noch Fragen? Gibt es sonst noch ein Anliegen?

Entsprechend ihres Alters und der Zugangsmöglichkeiten zur entsprechenden Infrastruktur (Internetzugang) wird das Angebot der telemedizinischen Konsultation genutzt - sogar die Frage nach gratis-Parkmöglichkeiten kann die Entscheidung ob online-oder Präsenzordination beeinflussen, wie diese amerikanische Studie zeigt:
Patient Characteristics Associated With Choosing a Telemedicine Visit vs Office Visit With the Same Primary Care Clinicians (E)

 

 

Events

  1. 26 Aug

    INFO TALK Psychologie

    26. August 2020, 17:00 - 17:30
    Online Chatroom
  2. 17 Sep

    Internationales Skills Lab Symposium 2020 - ABGESAGT

    17. September 2020, 09:00 - 19. September 2020, 18:00
    Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Skills Lab, Trakt Y
  3. 18 Mär

    Internationales Skills Lab Symposium 2021

    18. März 2021, 09:00 - 20. März 2021, 18:00
    Karl Landsteiner Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, Skills Lab, Trakt Y