Home / COVID-19: Prävention und Umgang in Primärversorgungspraxen / Behandlung und Monitoring
COVID-19: Prävention und Umgang in Primärversorgungspraxen

Behandlung

Behandlung

Behandlung 

Zur Behandlung von Patient_innen mit milden bis moderaten Verläufen (Hausärtzliche Betreuung) 

Im Vordergrund stehen: 

  1. Erfassung des Ausgangskrisikos (siehe auch Monitoringbogen, chronische Krankheiten und weitere Risikofaktoren) und strukturierte Symptomerfassung 
  2. Erfassung der Betreuungssituation zuhause
  3. Optimierung der Behandlung evtl. Grundkrankheiten
  4. Erkennen potenziell gefährlicher Verläufe
  5. Monitoring (s.unten) zur Detektion potenziell gefährlicher Verläufe
  6. Behandlungsoptionen für häuslich betreute Patient_innen
  7. Schutz der Betreuungspersonen vor Ansteckung

Wann sollte ein Hausbesuch gemacht werden? 

Auch hier muss die Entscheidung je nach Situation und Patientenbedürfnis getroffen werden. Aus ärztlicher Sicht besteht die Notwendigkeit jedenfalls dann, wenn für eine korrekte Situationseinschätzung Augenschein und/oder Untersuchung notwendig sind

Objektive Parameter:

  • Verschlechterung der Coviderkrankung (insbesondere: respiratorische Situation, Vigilanz, kardiovaskuläre Situation)
  • Unzureichend kontrollierte Grundkrankheit
  • Betreuungssituation nicht beurteilbar.

 
Achtung: bei Hausbesuchen auf ausreichenden Schutz achten. Empfohlen:
FFP 2 Maske, Visier oder Brille, Handschuhe, Schutzmantel. Wenn zumutbar, MNS für Patient_in, jedenfalls für anwesende Betreuungsperson (s. dazu https://www.kl.ac.at/coronavirus/schutzausruestung)

Behandlungsempfehlungen:

  • Die Behandlung milder Verläufe erfolgt symptomatisch wie bei anderen viralen Erkrankungen:
    • Fiebersenkung, wenn nötig und sinnvoll (hohes Fieber, Leidensdruck, höheres Alter, Begleiterkrankung, geschwächte Patienten): gegen NSAR bestehen keine Bedenken (Beachtung üblicher Kontraindikationen und Begleitmaßnahmen!)
    • Antitussiva haben keine nachweisbare Wirkung
    • Abschwellende Nasensprays bei behinderter Nasenatmung
    • Atemgymnastik zur Pneumonieprophylaxe
    • Ausreichend Zufuhr von Nahrung und Flüssigkeit
  • Antibiose: Von einer prophylaktischen antibiotischen Behandlung wird abgeraten
  • ebenso abgeraten wird von einer Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden bei milden bis moderaten Verläufen, die zuhause behandelt werden können.
  • Die optimale Behandlung von Komorbiditäten ist obligat.  Es bestehen keine Bedenken mehr gegen die Fortführung einer bestehenden Therapie mit ACE-bzw. ATII Blockern. Eine inhalative Therapie mit Kortikosteroiden soll ebenso nach unveränderten Kriterien fortgesetzt bzw. angepasst werden.
  • Es ist derzeit keine antivirale Behandlung bekannt, deren Wirksamkeit mit ausreichender Sicherheit bestätigt ist. Die Datenlage zur antiviralen Therapie, Interferonen, Immunglobulinen und weiteren anderen Therapiemaßnahmen ist nach wie vor nicht ausreichend und deren Verwendung Studien vorbehalten.
  • Bei Coviderkrankung besteht ein erhöhtes Risiko für Thromboembolien. Für hospitalisierte Patient_innen ist eine positive Beeinflussung der Komplikationshäufigkeit bekannt. Die frühzeitige Prophylaxe mit NMH ist für nicht-hospitalisierte Covid-19 Erkrankte zumindest in folgenden Fällen empfohlen:
    • schwererer Krankheitsverlauf (persistierendes hohes Fieber, reduzierter Allgemeinzustand)
    • reduzierte Mobilität
    • Vorgeschichte einer venösen Thromboembolie
    • aktive Krebserkrankung
    • rezentes (< 1Mo) Trauma oder Operation
    • Fortsetzung einer Thromboseprophylaxe nach KH - Entlassung (bis zur vollständigen Mobilisierung bzw längstens 4 Wochen): bei Vorliegen von  Risikofaktoren wie für nicht-hospitalisierte Patienten beschrieben
    • Immer: Prüfung möglicher Kontraindikationen bzw. erhöhtes Blutungsrisiko

COVID-19 und Thrombosen: Was tun in der hausärztlichen Versorgung?
EBM-Guidelines 

Zusätzlich immer:
  • Konsequente Überwachung eventueller Grundkrankheiten (z.B. Selbstmonitoring weiterführen)
  • Einnahme der Medikamente sicherstellen
  • Für Bewegung sorgen, wenn es der Krankheitsverlauf zulässt.
  • Auf psychische Verfassung  achten – auch der Betreungspersonen! 
  • Individualisierte Tipps für Beschäftigungsmöglichkeiten geben

Nachkontrolle: Bei persistierenden Atemproblemen nach Covid-Erkrankung empfiehlt sich die Abklärung mittels HR-CT (Fibrosierungen) oder CT-Pulmonalisangiografie (kann zusätzlich abgelaufene Pulmonalembolien aufdecken)

Zur Betreuung und Behandlung in palliativen Situationen s. https://www.kl.ac.at/coronavirus/palliativbetreuung

Weiterführende Informationen zur medikamentösen Behandlung und Covid-19:

Aus der Wissenschaft – medikamentöse Behandlung und Covid-19 https://www.kl.ac.at/coronavirus/aus-der-wissenschaft
 

Vor dem Einsatz von Chloroquin und Hydroxychloroquin wird aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils (v.a. QTc - Verlängerung und damit assoziierte Herzrhythmusstörungen - Torsaden) gewarnt. Besondere Warnung wird aber bei der gemeinsamen Nutzung mit Makroliden - hier speziell Azithromycin ausgesprochen (Inhibition von CYP3A4).
 

Konsensus-Empfehlungen zu Covid-19 der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie

Bei Doppelinfektionen von Influenza und Covid-19 ist das Testen die einzige Möglichkeit beide voneinander und anderen resp. Infekten zu differenzieren. Die Behandlung der Influenza ändert sich prinzipiell durch eine Covid-19-Infektion nicht. Influenza und Covid-19 - NIH Recommendations (E)


Metadaten:
Autor: Susanne Rabady
Beratung: Univ-Prof. Dr. Ingrid Pabinger (Thromboembolie)
Review: Wendler
letztes Update 28.10.2020

Monitoring

Patienten mit (Verdacht auf) COVID-19 Erkrankung: Monitoring

Wir empfehlen besonders engmaschiges Monitoring zwischen Tag 6 und 10 nach Erkrankungsbeginn, wo erfahrungsgemäß häufig Verschlechterungen eintreten. Ein engmaschigeres Monitoring (täglich) ist bei Vorliegen von zumindest einem Risikofaktoren empfohlen. Selbstverständlich ist die Vereinbarung von Art und Umfang zusammen mit den Betroffenen bzw. deren Betreuungspersonen zu vereinbaren.

Erfahrungsgemäß ist in vielen Fällen ein telemedizinisches Monitoring ausreichend. Das Monitoring setzt die Kenntnis des Ausgangsrisikos voraus, und umfasst die Kontrolle von zumindest folgenden Parametern:
 

Temperatur, RR und HF, Atmung,Thoraxschmerz, Belastbarkeit/Fatigue,Husten und andere Symptome, Vigilanz. Zusätzlich: Monitoring evtl. Grundkrankheiten

Die respiratorische Situation lässt sich im Telemonitoring über folgende Kennzeichen einschätzen:

  • Subjektives Empfinden des Patienten – Veränderungen?
Cave: die subjektive Wahrnehmung kann von der objektiven Situation erheblich abweichen: die Atemnot wird von vielen Patienten erst sehr spät als solche wahrgenommen (Folge der Hyperkapnie).
  • Sprechpausen? Zählen bis 30 möglich?
  • Wenn verfügbar, kann ein Pulsoxymeter die Objektivierung unterstützen (ev. leihweise aus der Ordination)

Weitere Aspekte:

 

  • Hinweise auf Dehydratation/Fehl- oder Mangelernährung,
  • Betreuungssituation
  • Medikationsmanagement/Sicherstellung der korrekten Einnahme einer Dauermedikation.
  • Psychische Situation

Hilfreich ist die Führung eines Erfassungs- und Monitoringbogens (hier klicken für Link zum Ausdruck). Bei kompetenten Patient_innen kann man auch einen Heim-Monitoringbogen zur Selbstbeobachtung mitgeben, auf ärztliche (telemed.) Monitoring-Kontakte sollte jedoch nicht verzichtet werden.   

 

Kriterien für die Hospitalisierung:

„red flags“ - Hospitalisierung

Zeichen für respiratorische, kardiale oder renale Insuffizienz:

  • Verschlechterung der respiratorischen Situation
  • Leistungsknick
  • Sinkender RR ohne korrigierbare Ursache (Medikation, Flüssigkeitsaufnahme)
  • Abnehmende Vigilanz bis Verwirrtheit
  • Retentionszeichen (Harnmenge ↓, Gewicht ↑, zunehmend Ödeme)

 „orange flags“: Hospitalisierung erwägen:

  • Betreungssituation zu Hause kritisch - Hospitalisierung erwägen!
  • Medikation / Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme nicht gesichert
  • Betreuungssituation entgleisend
  • Grundkrankheit entgleisend

Anmerkung: Höheres Alter sowie männliches Geschlecht senken die Hospitalisierungsschwelle
 

Events

  1. 25 Nov

    Meet the Expert Psychologie

    25. November 2020, 18:00 - 19:00
    Instagram Channel
  2. 30 Nov

    INFO TALK: Psychologie

    30. November 2020, 18:00 - 19:00
    Online Chatroom: Microsoft Teams
  3. 02 Dez

    STUDENT TALK: Psychologie

    02. Dezember 2020, 18:00
    Instagram Channel