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Bahil Ghanim, Thoraxchirurg: Ein Blick hinter die Krankheit

Porträt OA Dr. Bahil Ghanim, PhD

OA Dr. Bahil Ghanim, PhD

Forschende im Porträt

„Als Chirurg ist es meine Aufgabe, die Krankheit herauszuschneiden. Als Forscher möchte ich wissen, warum und wie die Krankheit entsteht.“, erklärt Oberarzt Dr. Bahil Ghanim, PhD von der Klinischen Abteilung für Allgemein- und Thoraxchirurgie des Universitätsklinikums Krems. Für ihn gehören Medizin und Forschung schon immer zusammen: „Mir reicht es nicht, Vorgaben zu befolgen, ich wollte schon immer einen Blick hinter die Kulissen werfen. Gerade die thorakale Onkologie hat mich von Anfang an beschäftigt und interessiert“.

Gleich nach dem Abschluss seines Medizinstudiums an der Medizinischen Universität Wien (MUW) arbeitet Dr. Ghanim als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Krebsforschung der MUW. Ab 2011 ist er als Assistenzarzt an der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie, ebenfalls an der MUW, und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ludwig-Boltzmann-Institut für Lungengefäßforschung in Graz tätig. 2015 schließt Dr. Ghanim sein PhD-Studium am Institut für Krebsforschung ab und wechselt 2017 an die Thoraxchirurgie in Krems. Während seiner Laufbahn hat der Forscher nicht nur an vielen Projekten mitgewirkt, sondern auch fleißig Preise gewonnen. Seine erste Auszeichnung war der „Young Investigator Award“ beim Austrotransplant-Kongress 2009. 2013 folgte der Wolfgang Denk-Preis der Gesellschaft für Herz- und Thoraxchirurgie und 2014 erhielt er den Theodor Billroth-Preis wegen seiner Arbeit über den Entzündungsmarker Fibrinogen als Prognosefaktor bei Mesotheliompatient_innen. 2015 freut er sich über eine Forschungsförderung der Margaretha Hehberger-Stiftung für sein Projekt über solitär fibromatöse Tumore der Pleura. 2019 folgt der Wissenschaftspreis der Österreichischen Gesellschaft für Chirurgie. 2020 erhält er den Wissenschaftspreis der Medizinischen Gesellschaft NÖ für eine Arbeit im Bereich Biomarker als Prognosefaktor.

Prädiktive Biomarker sind weiterhin Forschungsgegenstand von Oberarzt Ghanim. „Durch unsere Ergebnisse machen wir es möglich, vorherzusagen, wie die Reise mit dem Patienten oder der Patientin aussehen wird. Wir können ihnen unnötige Therapien ersparen und auf Basis einer personalisierten Medizin die beste Therapieoption auswählen. Bei manchen Patient_innen ist die Chirurgie einfach nicht die beste Therapiewahl, bei anderen ist sie die sinnvollste. Unsere Forschung soll Anwendung im klinischen Alltag findet. Manchmal dauert das, dessen muss man sich bewusst sein“, erzählt Dr. Ghanim über seine tägliche Arbeit, in der die Forschung definitiv Einzug gefunden hat. Er schätzt die an die KL angeschlossene Universitätsklinikstruktur sehr. „Ich fühle mich in meiner Abteilung sehr wohl. Neben der täglichen Arbeit als Arzt herrscht ein guter Spirit für Forschung. Assoc. Prof. Prim. Dr. Elisabeth Stubenberger, die Leiterin unserer Abteilung, unterstützt unsere Vorhaben. Forschung ist immer Teamarbeit, allein geht es nicht und ich bin froh, dass ich junge Kolleginnen und Kollegen habe, die forschend tätig sein möchten. Mittlerweile bin ich aus der Rolle des Erstautors eher in die des Seniorautors gerutscht. Das ist eine neue und schöne Erfahrung“, resümiert Dr. Ghanim. „Nicht jeder Mediziner oder jede Medizinerin interessiert sich für Forschung und das ist völlig in Ordnung. Einige sind dafür sehr stark interessiert und dieser junge Nachwuchs gehört gefördert. In der Forschung ist es erlaubt, ja sogar unumgänglich, stets neugierig und kritisch zu sein“.

Derzeit arbeitet der Thoraxchirurg noch an einer gemeinsamen In-vitro-Wirkstoffstudie mit seiner alten Abteilung an der MUW. „Wir testen verschiedene Gifte in Zelllinien, die wir aus Pleuratumoren gewonnen haben“, erklärt der Arzt und Wissenschaftler. Am Universitätsklinikum konzentriert sich Dr. Ghanims Forschung weiterhin auf prädiktive Biomarker bei Lungenkrebs- und Mesotheliompatient_innen. Außerdem nimmt der engagierte Arzt seine Patientengruppe ganz genau unter die Lupe und unterteilt sie nach Inflammation-, Mutation- und L/V-Status und Tumorstaging. „Unsere Therapieleitlinien betrachte ich als gute Freunde, gleichzeitig versuchen wir tagtäglich sie zu verbessern, zu vertiefen und nachzuschärfen“. Die aktuellen Forschungsergebnisse der Universitätsklinik für Chirurgie am Standort Krems werden nach weiterer Überprüfung im Idealfall in den Therapieleitlinien umgesetzt. Für OA Dr. Ghanim, PhD, persönlich ist die Habilitation der nächste Schritt auf seiner Karriereleiter. „Auch hier braucht man wie in der Forschung ausreichend Geduld“, lacht Dr. Ghanim.

Link: Klinische Abteilung für Allgemein- und Thoraxchirurgie am Universitätsklinikum Krems
Text: Sabine Brandstetter

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